Jesus Rolls – Niemand verarscht Jesus – Blu-ray Review | EuroVideo Medien | 25.03.2021

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Am 8. April 2021 kommt „Jesus Rolls – Niemand verarscht Jesus“ als Blu-ray, DVD und digital in den Handel und wir haben schon jetzt das Review dazu:

Jeder kennt sie: Kultfilme. Ja, der Begriff wird heutzutage viel zu leichtfertig verwendet aber einige Filme kann man gar nicht anders beschreiben. „Citizen Kane“, „Casablanca“, „Pulp Fiction“ oder auch „The Big Lebowski“. Sie alle haben etwas gemein: ein Nachfolger wäre nicht notwendig, da der Film für sich alleine genommen für die Ewigkeit stehen kann. Gerade bei letztgenanntem, dem Coen-Brüder Klassiker mit Jeff Bridges als den „Dude“, würden Fans eine Fortsetzung gar als Blasphemie bezeichnen. Wie aber wäre es, wenn man einen schrulligen Charakter des Filmes herausnimmt und ihn in einen Road-Trip als Spin-Of verfrachtet?

Diese Idee verfolgte John Torturro, der 1998 in „The Big Lebowski“ die unvergessliche Rolle des Jesus Quintana übernahm, schon seit längerem. 2016 bekam er schließlich von den Coen-Brüdern die Zustimmung, den Charakter des bowlingkugelableckenden Päderasten in einem Spin-Of zu verwenden. Die Regie und Hauptrolle von „Jesus Rolls“ übernahm Torturro gleich selbst. Das Drehbuch, das gleichzeitig eine Hommage der 1974 erschienenen französischen Komödie „Die Ausgebufften“ (im Original „Les Valseuses“) von Bertrand Blier ist, stammt ebenfalls von ihm. Im Vertrieb von EuroVideo Medien erschien „Jesus Rolls – Niemand verarscht Jesus“ am 25. März digital, während die DVD und auch die Blu-ray am 8. April 2021 nachgeschoben werden. Ob „The Big Lebowski 2.0“ denn etwas taugt, für wen der Film überhaupt gemacht wurde und vor allem, wie die technischen Aspekte der Blu-ray Disc ausgefallen sind, konnte die filme.de Redaktion für ihre Leser bereits genauestens testen.

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STORY:

Gerade erst ist der begnadete Bowlingspieler Jesus (John Turturro) aus dem Knast entlassen worden, da winkt auch schon der nächste Ärger. Er trifft sich mit seinem besten Kumpel, dem Nichtsnutz Petey (Bobby Cannavale), um gemeinsam gleich wieder etwas auszuhecken. Ihr Opfer ist der Haarstylist Paul Dominique (Jon Hamm). Zuerst erleichtern sie ihn um seinen orangenen V8-Sportwagen, dann um seine Geliebte Marie (Audrey Tatou) und schließlich auch noch um den Inhalt seiner Kasse. Das dem Starfriseur daraufhin der Kragen platzt, ist nicht ganz unverständlich. Als sie vor ihm flüchten, schießt er Petey in den Hintern. Keine Frage: Sie müssen einfach nur noch weg! Im Gepäck haben sie Marie, die Jesus noch aus vergangenen Tagen kennt. Auf ihrer Reise quer durch die ländlichen Gegenden New Yorks begegnen sie so mancher schillernden Figur und brechen dabei noch das eine oder andere Gesetz.

EINDRUCK:

Die beste toll umgesetzte Idee in „Jesus Rolls“ ist gleich die Klarstellung des Charakters Jesus. Denn er ist eigentlich kein Sexualstraftäter oder auch Päderast, wie von John Goodman alias Walter in „The Big Leboswki“ umschrieben, sondern einfach ein ziellos durch die Landschaft streichender liebeshungriger Gauner, dem auf der Herrentoilette ein kleines und unangemessenes Missgeschick passierte…

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Die oben erwähnte Ziellosigkeit passt jedoch nicht so gut zum Film, da wir mit Jesus und seinem Freund Petey, der ebenfalls ein widerstrebender Romantiker zu sein scheint, leider von einem heiklen und belanglosen Szenario zum nächsten springen. Torturro´s Idee, einen entschärften Coen-Brüder Ansatz zu verfolgen, kann man ja noch mutig bzw. gut finden, allerdings mag das im Zusammenhang mit der Hommage von „Die Ausgebufften“ nicht so recht funktionieren. Irgendwie ist diese Anpassung der beiden Filme zu einem Ganzen nicht Fisch und nicht Fleisch. Vieles wirkt zu konstruiert und, wie bereits beschrieben, einfach belanglos.

Nehmen wir zum Beispiel Susan Sarandons Rolle, als die frisch vom Gefängnis entlassene Jean. Bitte nicht falsch verstehen, Oscarpreisträgerin Susan Sarandon ist eine der besten Darstellerinnen Hollywoods, nur leider tut ihre viel zu melancholisch angehauchte Rolle in „Jesus Rolls“ nichts zur Sache. Ihren Part hätte man sich komplett schenken können… und das bei einem Film mit 86 Minuten Laufzeit. Grundsätzlich wurde „Jesus Rolls“ so konstruiert, dass er eine Hommage an „Die Ausgebufften“ darstellt. Eventuell wäre hier für Lebowski-Fans, aber auch für alle anderen, genau der umgekehrte Weg der richtige gewesen – etwas mehr Coen-Brüder Flair hätte bei so einem interessanten Ansatz sicher nicht geschadet.

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„Jesus Rolls“ weiß zwar nie so wirklich in welche Richtung er sich schlussendlich hinbewegen soll, der tolle Cast verschafft dem Low-Budget Film aber immerhin noch ein paar Pluspunkte. Regisseur und Hauptdarsteller John Torturro („O Brother, Where Art Thou?“), der bereits bei „The Big Leboswki“ die meisten Ideen für seinen Charakter „Jesus“ beisteuerte, ist die Rolle wie auf den Leib geschnitten. Seine ernste Mimik sowie seine schlaksige und irrwitzige Gestik – er schwitzt mit jeder Pore diesen schrulligen Charakter aus. Ja, Torturro IST „Jesus Quintana“ und natürlich die mit Abstand witzigste Figur des Films. Ihm zur Seite stellte man Bobby Cannavale („Ant-Man“, „The Irishman“) als Sidekick Petey sowie Audrey Tautou („Die fabelhafte Welt der Amelie“, „The Da Vinci Code – Sakrileg“) als leichtbekleidete und laszive Marie. Ebenso bekommen wir noch Susan Sarandon („Dead Man Walking“, „Thelma & Louise“), wie gewohnt professionell aber leider deplatziert, sowie John Hamm („Mad Man“, „Baby Driver“) und last but not least in einer kleinen Rolle Christopher Walken („Sleepy Hollow“, „Catch me if you can“) zu Gesicht. Diese „Ein-Tag-am-Set-Cameo-Auftritte“ peppen den Film zwar etwas auf, retten ihn aber leider nicht ganz vor der Belanglosigkeit.

Obwohl „Jesus Rolls“ stark beginnt, bietet die Story einfach zu wenig, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Das Haupttrio Torturro, Cannavale und Tautou bieten zwar ab und zu eine interessante, lustige sowie familiäre Atmosphäre. Da sich aber von den Dreien niemand wie ein Erwachsener verhält, fehlt obendrein noch der Bezug zu ihnen. Viel zu sehr wird mit der Brechzange versucht, ein über 40 Jahre altes, chauvinistisches, freizügiges und französisches Kinogefühl zu erzeugen, das leider etwas bizarr und vor allem zu banal daherkommt. Ganz Interessierte dürfen zwar einen Blick riskieren – alle anderen aber geben sich den „echten“ Dude, am besten mit einem Gläschen White Russian.

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BILD:

Das Bild der blauen Scheibe wird uns im (fast) bildschirmfüllenden Format 1,85:1 präsentiert und ist für eine aktuelle Produktion recht solide. Die Farben gelangen gut saturiert und bis auf wenige Ausnahmen natürlich gehalten zum Betrachter. Die Schärfe liegt fast immer über Durchschnittsniveau und auch der Kontrast kann bis auf wenige Ausnahmen (helle Flächen wie Wolken überstrahlen schon mal) überzeugen. Der Schwarzwert bietet ein ordentliches Schwarz, lässt aber leider in den vielen dunklen Szenen im ersten Drittel des Films einige Details im Hintergrund absaufen. Auch Gesichter werden in solchen Momenten nur zur Hälfte wahrgenommen. Leider konnte im Netz nicht in Erfahrung gebracht werden, welche Kameras hier zum Einsatz kamen. Bis auf die mäßige Durchzeichnung in dunklen Szenen liegen aber die restlichen Werte alle im grünen Bereich.

TON:

  • Deutsch DTS-HD MA 5.1
  • Englisch DTS-HD MA 5.1
  • Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Überraschenderweise bietet der Film gleich zu Beginn viele direktionale, sowie auch äußerst dynamische Effekte aus den hinteren Lautsprechern. Sich schließende Zellentüren, Fahrzeug- und Umgebungsgeräusche und auch der Score können präzise dem jeweiligen Lautsprecher zugeordnet werden. Dazu gesellt sich ein sauberer Klang der Dialoge, sowohl in der Originalfassung. als auch in der deutschen Synchronisation. Der Soundtrack dürfte vor allem Gipsy Kings Fans freuen, da einige ihrer Tracks wie „Un Amor“ oder „A Mi Manera“ dabei sind. Schön auch, dass alle Darsteller erneut ihre deutschen Stammsynchronsprecher bekommen haben.

EXTRAS:

  • Trailer: „Jesus Rolls – niemand verarscht Jesus“

Außer dem deutschen Filmtrailer in HD, gibt es leider gar kein weiteres Bonusmaterial dieses Herzensprojekts zu bestaunen. Gerade hier wäre für alle Lebowski- und Torturro-Fans der Weg hin zum fertigen Film interessant gewesen. Über ein Wendecover ohne FSK 16 Kennzeichen kann leider keine Auskunft gegeben werden, da der Redaktion für ein Review lediglich eine lose Blu-ray Disc zur Verfügung stand.

FAZIT:

Die Blu-ray bietet neben einem soliden Bild mit natürlichen Farben und solider Schärfe überraschender Weise auch einen ordentlichen sowie direktionalen Ton. Das Bonusmaterial hätte hingegen weitaus üppiger ausfallen können. Jammerschade. Obwohl „Jesus Rolls – niemand verarscht Jesus“ für Regisseur, Autor und Hauptdarsteller John Torturro zweifelsohne ein Herzensprojekt war, konnte er sich leider nicht entscheiden, ob er eher in Richtung „Die Ausgebufften“ gehen oder doch lieber ein „Big Lebowski 2.0“ erschaffen soll. Da die Story bei weitem nicht an die genialen Vorlagen herankommt, wurde mit dem ersten und womöglich auch letzten Lebowski-Spin-Of eine interessante Idee verspielt… da helfen leider auch kein halbes Dutzend Hollywoodstars. „Dios mio, Mann!“

Testgeräte:
TV: LG OLED 55C8PLA
Player: Sony UBP X-700
AV-Receiver: Denon AVR X-1500 H
Center-Lautsprecher: Teufel Ultima UL 40 C Mk3
Front- und Surround-Lautsprecher: Teufel Motiv 6
Atmos-Lautsprecher: Teufel Reflekt (Front Height)

 

Hier erhältlich:

(Alexander Gabler)
© Bilder und Trailer: EuroVideo Medien – Alle Rechte vorbehalten!

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