Kite – Engel der Rache Blu-ray Review | Tiberius Film

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Kite Review CoverDas Mädchen Sawa wird von dem väterlichen Freund und Polizisten Karl Aker zu einer Auftragsmörderin ausgebildet. Leicht bekleidet schleust sie sich als vermeintliches Opfer in einen Mädchenhändlerring ein, um deren Drahtzieher äußerst blutig aus dem Verkehr zu ziehen. In erster Linie ist Sawa allerdings hinter dem Mörder ihres Vaters her, den sie an der Spitze der Gangsterorganisation vermutet.

Film: Der hier vorliegende Film von Regisseur Ralph Ziman basiert zum auf dem gleichnamigen Adult-OVA-Anime von Yasuomi Umetsu aus dem Jahr 1998. Der Anime konnte vor allem dank seiner übertriebenen Gewalt- und Sexszenen – die auch als Vorlage für einige Teile von Tarantinos Rache-Epos „Kill Bill“ dienten – einen enormen Bekanntheitsgrad erreichen und genießt unter seinen Fans einen regelrechten Kultstatus.

Kite Review Szenenbild001Das Grundgerüst der Vorlage erinnert stark an den Luc Besson Film Nikita, allerdings wurden für die Realverfilmung einige Änderungen an der Handlung vorgenommen. Seine Anime-Herkunft kann und will der Titel dabei keineswegs verbergen, sondern zelebriert ihn förmlich. Leider scheut Ziman im Endeffekt dann aber doch davor zurück, die gezeichneten Visionen in die reale Welt zu transportieren.

Obwohl die Handlung allerhand Tiefgang besitzt hält Ziman den Ball sehr flach. Statt Psychologischen Charakterstudien präsentiert er seinen Zuschauern lieber ein Mischmasch aus Szenen, die einem aus anderen Filmen schon sehr vertraut sind. Vor allem im direkten Vergleich zum Anime ist die Realfilmadaption eher oberflächlich.

Kite Review Szenenbild002Insbesondere in der Darstellung der Sex- und Gewaltszenen, welche dem Anime zu seinem Kultstatus verhalfen, scheut Ziman zugunsten einer wohlwollenden Altersfreigabe zurück. Wo die gezeichnete Version noch mit extremen Sexszenen aufwarten konnte sind hier nicht einmal Brustwarzen zu sehen. Die ausufernden Szenen sind entschärft und Sawa darf zwar leicht bekleidet, aber eben bekleidet zu Werke gehen. Und – wie die Altersfreigabe bereits vermuten lässt – wird es zu keinem Zeitpunkt pornografisch. Die Kampfszenen sind ebenfalls reichlich harmlos, zumindest im direkten Vergleich. Auch hier regnet es Blut und Hirnmasse, aber eben nicht in dem Umfang, wie man es erwarten würde.

Leider sind auch einige der berühmtesten Szenen der Vorlage nur bedingt bis überhaupt nicht in dem Film verwendet worden, was Fans des Anime sicherlich nicht gutheißen können. Besonders auffällig ist hier der Kampf mit den beiden Zwillingen, die durch mehrere Stadtschichten stürzen.

Allerdings muss man dem Streifen zugutehalten, dass er existenziellen Wert auf eine ausgefeilte Bildsprache legt. In dieser Hinsicht darf mit bestem Gewissen gesagt werden, dass Regisseur Ziman erstklassige Arbeit geleistet hat. Die Ästhetik, vor allem während der Kampfszenen, ist lässig und mit Bravour umgesetzt worden. Farbspiele und Weichzeichner tun ihr übriges, um diesen Realfilm optisch möglichst nah an sein Vorbild heranzubringen. Das mag rein nüchtern betrachtet für einige Abzüge sorgen, aus künstlerischer Sicht muss man vor dem Ergebnis jedoch den Hut ziehen und den Bildern seinen Tribut zollen (mehr dazu in der Bildbewertung).

Darstellerisch wurde ebenfalls alles richtig gemacht. Hier verlässt sich Regisseur Ziman auf einen funktionalen Mix aus alten Hasen und Newcomern.

Zunächst hätten wir Samuel Jackson als Karl Aker – ein zwielichtiger Cop, der mit Sonnenbrille und typischem Ledertrenchcoat einfach die Coolness in Person darstellt und mit Jackson genial besetzt wurde. Unglücklicherweise ist es ihm nicht vergönnt, in seiner knapp bemessenen Leinwandzeit sein volles Potential zu entfalten. Das ist sogar doppelt tragisch, wenn man bedenkt, welche Rolle Aker in der Vorlage spielt. Hier wird der väterliche Freund der Protagonistin zu einer (zwar wichtigen) Randfigur degradiert, die im Aufbau und der Bedeutung seiner aktuellen Paraderolle des Nick Fury aus den Marvel-Filmen nicht ganz unähnlich ist. Immerhin kann Jackson, trotz geringer Leinwandpräsenz, in seiner Rolle vollends überzeugen und sorgt für einige sehr coole Momente, die einem lange in Erinnerung blieben.

Die Hauptrolle der Sawa wird von der 20-jährigen India Eisley gespielt, die bisher lediglich in der Serie „Secret Life of the American Teenager“ und einer kleinen Rolle in dem Vampir-Actioner „Underworld: Awakening“ auf sich aufmerksam machte. Mit vollem Körpereinsatz und wechselhaft erotischen Kostümchen tobt sie wie Hitgirl in „Kick-Ass“ durch die Szenerie, und zerhackstückelt die Bösen Buben im Minutentakt. Dabei macht sie eine wirklich gute Figur und kann selbst in den härteren Szenen noch überzeugen.

Kite Review Szenenbild003Überbrodelnde Action, obercoole Charaktere und eine – zumindest im Ansatz – tiefgründige Story, die hier allerdings nur oberflächlich angekratzt wird: das ist das Ergebnis der Realverfilmung des Kult-Animes Kite. Im Prinzip ist der Streifen gelungen und für westliche Sehverhältnisse durchaus annehmbar, mit einem Auge auf dem Original allerdings ein wenig ernüchternd. Zwar wäre weitaus mehr aus dem Thema herauszuholen gewesen, aber als cooler Actioner funktioniert das Werk durchaus.

Bildqualität: Das Bild ist aufgrund zahlreicher Stilmittel nur schwer mit objektiven Werten zu beziffern. Der Schärfegrad ist überwiegend nicht sonderlich stark, was vor allem auf den häufig eingesetzten Weichzeichner zurückzuführen ist. In Nahaufnahmen kann die Schärfe hin und wieder zwar überzeugen und lässt auch einige Details erkennen.

Gleiches gilt auch für die Farben. In wenigen Szenen sind diese natürlich, aber überwiegend ist das Bild blass und milchig, in einigen Szenen dann wieder stark eingefärbt – kurz: Es entspricht in jedweder Form der Anime-Vorlage. Auch der Kontrast ist – mit regulären Maßstäben gemessen – nicht optimal eingestellt und häufig strahlt das Bild extrem. Zumindest der Schwarzwert ist tief und satt und kann damit voll und ganz punkten, auch wenn es ein wenig an der Durchzeichnung mangelt. Auch die Tiefenwirkung ist in einigen Szenen ganz hervorragend und lässt das Bild stellenweise sehr plastisch wirken, aber leider eben nur stellenweise.

Leider schleichen sich auch einige kleinere technische Fehler auf die Scheibe, was zu Doppelkonturen und Posterizing führt. Zumindest ist das Bild ansonsten frei von Fehlern oder Artefakten.

Abschließend kann gesagt werden, dass das Bild rein objektiv und nüchtern gesehen keinen Blumentopf gewinnen, aber da das Bild andererseits exakt so aussieht wie es aussehen soll, können und dürfen die einzelnen Attribute an dieser Stelle wohl kaum negativ beanstanden werden. Und so erreicht das Bild, mit Hinsicht auf den angestrebten und erzielten Effekt, trotz durchschnittlicher Einzelbewertung der unterschiedlichen Attribute am Ende doch eine recht hohe Bewertung, die sich alleine dadurch erklären lässt, dass die gewählten und trefflich eingesetzten Stilmittel hier über der nüchternen Betrachtung des rein Technischen Blickwinkels stehen. Hier ist das Ergebnis mehr als die Summe seiner Teile.

Kite Review Szenenbild004Tonqualität: Klangtechnisch wird hier ganz großes Kino geboten. Allerdings hält der Film dafür auch alle Fäden in der Hand und nutzt seine Möglichkeiten exzellent aus. Die Räumlichkeit ist gerade während der Kampfszenen und in der Disco (ca. 41. Minute) absolut phänomenal. Die Kugeln fliegen einem nur so um die Ohren und jedes Geräusch ist 1A zuzuordnen. Besser geht es eigentlich kaum. Der Subwoofer bekommt Futter wie selten und lässt das gesamte Heimkino dröhnen, dass es nur so eine Freude ist. Leider geht dieser ganze Sound-Overkill ein wenig zu Lasten der Dialogversändlichkeit, denn hier muss häufig nachgeregelt werden, damit man überhaupt versteht, was da gerade auf der Leinwand gesagt wurde. Das ist leider ein unverzeihliches No-Go, und stört den Filmgenuss extrem. Die Synchronisation hingegen ist wieder gut gelungen. Samuel L. Jackson wird gewohnt souverän von Engelbert von Nordhausen gesprochen. Sein weiblicher Gegenpart India Eisley wird von der Abigail Breslin Standartsprecherin Marie Christin Morgenstern synchronisiert, die Eisley bereits in Underworld ihre Stimme lieh. Mit der Betonung der Nebencharaktere hapert es leider ein wenig, und hier wird nicht immer der richtige Ton getroffen. Ansonsten bleibt zu sagen das „Kite“ ein echtes Bombastfeuerwerk ist, mit dem man seine Nachbarn vorzüglich am Geschehen teilhaben lassen kann.

Extras: Nach einlegen der Disc startet sofort der Film, ohne den Umweg über das Menü zu nehmen. Das ist zum einen sehr benutzerfreundlich und zum anderen sehr zeitsparend, vor allem wenn man bedenkt, dass man alle Funktionen des Menüs auch mühelos über die Popup-Taste erreicht werden. Allerdings lohnt es sich kaum, die Taste zu betätigen, oder in das Discmenü zu wechseln, denn außer der Ton- und Kapitelauswahl werden hier keine Features geboten, deren Anwahl sich lohnen würde. Außer einer Trailershow die als Eigenwerbung für Tiberius Film fungiert werden keinerlei Extras geboten. Zumindest wurde an ein Wendecover gedacht, womit das ungeliebte FSK-Siegel auf Wunsch vom Frontcover verschwindet.

Fazit: Mit regulärer Betrachtungsweise kann und darf die Bildqualität eines Films wie diesem nicht bewertet werden. Das Bild wurde mit zahlreichen Effekten bearbeitet um der Anime-Vorlage gerecht zu werden. Die mangelnde Schärfe, die verfälschten Farben und all die anderen Spielereien sorgen für mittelmäßige Einzelpunkte, aber unterm Strich sieht der Film klasse aus und vermittelt genau das richtige Gefühl. Der Ton hingegen ist bombastisch und man könnte fast von Referenz reden, wenn die Stimmen nicht im Verhältnis zu leise abgemischt wären. Hier muss häufig nachgeregelt werden, was den Filmgenuss erheblich stört. Leider wurden dem Film keine Extras spendiert.

Der Film bietet anständige Action-Thriller-Kost nach bekanntem Strickmuster und ohne größere Überraschungen. Saucoole Charaktere, gut choreografierte Kampfeinlagen und jede Menge Blut, Schießereien und Gewalt und Sex machen den Streifen trotz inhaltlicher Mängel dennoch sehr sehenswert, vorausgesetzt natürlich, man hat ein Faible für derartige Streifen. Wer jedoch die Vorlage kennt dürfte ein wenig enttäuscht sein, da wesentlich mehr aus dem tiefgründigen Thema herauszuholen gewesen wäre. Dennoch ist „Kite“ – schon alleine wegen der gelungenen Bildsprache – ein fleischgewordener Anime.

(Michael Speier)

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