The Last Duel – Blu-ray Review | 20th Century Studios | Walt Disney | 24.01.2022

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Seit dem 6. Januar 2022 kann man den Film „The Last Duel“ auf Blu-ray4K UHD und DVD ansehen und wir haben das Review dazu:

Während Ridley Scott mit „Alien“ und „Blade Runner“ für zwei der vielleicht besten Science-Fiction-Filme überhaupt verantwortlich zeichnet, ist der Regisseur ebenso für seinen Hang zu Historienfilmen bekannt. Zu nennen sind hierbei natürlich in erster Linie „Gladiator“ sowie „Kingdom of Heaven“. Mit „The Last Duel“ wandte sich Scott nach längerer Pause erneut diesem Bereich zu und veröffentlichte im letzten Jahr einen Film, welcher sich mit der Geschichte des in der Tat letzten gerichtlich angeordneten Duells in Frankreich im Jahr 1386 befasst. Zugleich handelt es sich bei „The Last Duel“ um die filmische Adaption des gleichnamigen Romans von Eric Jager.

The Last Duel – Blu-ray Review Szenenbild Film 2021
Matt Damon als Jean de Carrouges _ Photo by Patrick Redmond. © 2021 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Story:

Frankreich im 14. Jahrhundert: Zwischen dem Knappen und späteren Ritter Jean de Carrouges (Matt Damon) und dem Knappen Jacques Le Gris (Adam Driver) entsteht in den Kampfgetümmeln des Hundertjährigen Krieges gegen England eine tiefe Freundschaft. Durch gegenseitige Konkurrenz und Missgunst im Streben nach Macht und Einfluss wird diese jedoch zusehends belastet. Als Jean im Januar 1386 nach längerer Abwesenheit zu seiner Ehefrau Marguerite (Judie Comer) zurückkehrt, berichtet diese ihm, dass Jacques in ihre Räumlichkeiten eingedrungen sei und sie vergewaltigt habe. Jean verlangt, dass Jacques für seine Tat geradestehen muss. Die Angelegenheit dringt bis zum König Karl VI. (Alex Lawther) vor und es wird ein Duell auf Leben und Tod zwischen Jean und Jacques anberaumt. Am 29. Dezember 1386 stehen sich die beiden einstigen Freunde schließlich auf dem Kampfplatz gegenüber…

Eindruck:

Beginnen wir mit dem Erfreulichem: „The Last Duel“ ist ein in handwerklicher und optischer Hinsicht größtenteils gelungener und sehr ansehnlicher Film. Der Hauptcast leistet sehr gute Arbeit (mit Abstrichen bei Matt Damons eher durchwachsener Performance), die mittelalterlichen Kulissen und Kostüme wissen zu gefallen. Die Schlacht- und Kampfszenen sowie das titelgebende Duell sind, auch wenn vor allem Letzteres schon den einen oder anderen sehr unrealistischen Stunt bietet, insgesamt gut inszeniert und es geht dabei auch recht rau und blutig zur Sache. Und ganz allgemein gesprochen ist es zudem einmal wieder schön, einen hochwertig produzierten Mittelalterfilm auf dem Bildschirm zu sehen. Kurzum: „The Last Duel“ ist ein Film, dessen Sichtung grundsätzlich Spaß macht. Aber: Er zeigt auch so anschaulich wie derzeit kaum ein weiterer Film, dass hohe handwerkliche Qualität und eine gelungene Optik allein noch lange keinen guten Film ausmachen.

The Last Duel – Blu-ray Review Szenenbild Film 2021
Ben Affleck als Pierre d’Alençon, Adam Driver als Jacques Le Gris und Matt Damon als Jean de Carrouges – Photo by Jessica Forde. © 2021 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Mit kleineren Schönheitsfehlern wie der erratischen Erzählweise im ersten Drittel, wo bisweilen völlig übergangslos und abgehackt zwischen Schlachtszenen und ruhigen Momenten hin und her gesprungen wird, ließe sich ja noch leben. „The Last Duel“ durchzieht jedoch ein weitaus tiefergreifendes, strukturelles Problem, zu dessen Besprechung wir den Film im Kontext desjenigen aktuellen gesellschaftlichen Diskurses betrachten müssen, den er kommentiert. In den letzten Jahren häuften sich bekanntermaßen erschreckende Meldungen über sexuellen Missbrauch und sexuelle Übergriffigkeit im Filmgeschäft, wovon in erster Linie Frauen betroffen waren. Die Bewegung #MeToo bereitete maßgeblich den Weg dafür, diese Vorfälle in die öffentliche Diskussion zu bringen. Natürlich bleibt eine derartige Entwicklung von der Filmszene nicht unbeachtet, stellte es doch schon immer eine zentrale Funktion von Filmen dar, gesellschaftliche oder politische Zustände und Entwicklungen widerzuspiegeln. „The Last Duel“ nun ist ein Film, der ein besonders großes Stück von diesem Kuchen abhaben möchte, und er macht kein Geheimnis daraus, anhand der Figur Marguerite auf der Seite von #MeToo zu stehen. Das ist für sich genommen ein hehres Anliegen, doch um daraus einen guten Film zu machen, muss die filmische Herangehensweise an die Thematik auch passen. Und genau hieran scheitert „The Last Duel“.

The Last Duel – Blu-ray Review Szenenbild Film 2021
Adam Driver als Jacques LeGris und Matt Damon als Jean de Carrouges – Photo by Patrick Redmond. © 2021 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Während die politische und gesellschaftliche Aussageabsicht des Films klar und unmissverständlich ist, zwingt er sie in ein erzählerisches Korsett, welches damit nicht zusammenpassen möchte. Wir erleben die Geschehnisse des Films bis hin zum finalen Duell je aus der Sicht der drei Hauptfiguren Jean de Carrouges, Jacques Le Gris und schließlich Marguerite. Dreimal erzählt der Film also im Grunde die gleiche Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln und zeigt dabei verschiedene Szenen mehrfach mit leicht unterschiedlichen Nuancen. Diese erzählerische Vorgehensweise hat „The Last Duel“ mitnichten erfunden und es gibt herausragende Filme, bei denen dieses Mittel clever und hintersinnig zur Anwendung kommt. Im Falle von „The Last Duel“ ist es jedoch nicht annähernd so kreativ und künstlerisch wertvoll, wie Ridley Scott sich das offenbar vorgestellt hat. Hier bietet diese Erzählstruktur keinerlei Mehrwert, weil der Film aufgrund seiner eindeutigen Botschaft keinen Freiraum zur Reflexion über die Geschehnisse lassen kann und darüber, was wahr ist und was nicht. Die zentrale Vergewaltigung wird, wenn auch minimal weniger drastisch als später aus der Perspektive Marguerites, auch aus der Sicht des Angeklagten Jacques gezeigt, sodass sich die potenziell spannende Frage, ob sie wirklich stattfand oder erfunden ist, nie stellt. „The Last Duel“ ist kein äquivoker Film, der verschiedenartig ausgelegt werden könnte, und auch keiner, der mittels der verschiedenen Perspektiven nennenswert für neuen Erkenntnisgewinn sorgen würde. So stellt diese erzählerische Struktur reines Blendwerk dar, welches Redundanzen erzeugt und eine Komplexität und Vielschichtigkeit suggeriert, die im Film nicht ansatzweise vorhanden ist.

The Last Duel – Blu-ray Review Szenenbild Film 2021
Matt Damon als Jean de Carrouges – Photo by Patrick Redmond. © 2021 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Beeindrucken lassen sich damit allenfalls Zuschauer, die sonst nur dem filmischen Mainstream frönen und durch diese Erzählweise vielleicht den Eindruck gewinnen könnten, sie würden zur Abwechslung mal einen besonders intelligenten Film sehen. Das mutet schon beinahe zynisch an, wenn im Laufe des Films immer deutlicher wird, dass Scott seinen Zuschauern offenbar nicht besonders viel geistige Eigenleistung zutraut. Nur so lassen sich die ganzen plumpen Erläuterungen erklären, mit denen der Film seine nun wirklich nicht all zu komplexen Charaktere und die noch weit weniger komplexe Handlung ausschmückt. Da startet der Film mit einer Art Sneak Preview auf das titelgebende Duell, damit wir ja im Hinterkopf behalten, dass da noch etwas kommt. Da wird Jacques Le Gris plump als sexuell überaktiver Lüstling präsentiert, damit wir ja verstehen, dass er sich an Marguerite vergeht. Spätestens bei der billigen „Auflösung“ zu Beginn des Marguerite-Erzählstrangs fühlt man sich als Zuschauer in seinem Intellekt beleidigt. Den Vogel schießt allerdings eine Szene ab, in der Jean de Carrouges im Beisein seiner Frau Marguerite allen Ernstes auf ein sexuell übergriffiges Pferd einschlägt, womit sein Handeln im späteren Konflikt illustriert und erläutert wird. Ja, vielen Dank Mr. Scott, aber wir hätten Ihre Charaktere auch ohne derart einfältige Hinweise verstanden.

Bild:

Getestet wurde die Blu-ray-Version. Für eine HD-Ausgabe ist das Bild in Ordnung, liegt jedoch unter seinem Potenzial. Stellenweise ist recht aufdringliches Filmkorn zu sehen und es gibt definitiv Blu-rays, die mehr Details und Bildschärfe bieten.

The Last Duel – Blu-ray Review Szenenbild Film 2021
Adam Driver als Jacques LeGris – Photo by Jessica Forde. © 2021 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Ton:

Auch hier ist alles im soliden Bereich ohne besondere Erkenntniswerte. Der englische Originalton sowie die deutsche Synchronisation liegen im Format DTS-HD MA 7.1 vor. Gewählt wurde die englische Tonspur, welche in dieser Form aber keine nennenswerten Unterschiede zu einer herkömmlichen 5.1-Spur aufweist.

Fazit:

„The Last Duel“ schreit an vielen Stellen förmlich heraus, dass er sich als ein großes Kunstwerk begreift. Diese Fassade zu enttarnen, das ist keine besondere Schwierigkeit. In der Tat hätte aus dem Film jedoch ein Kunstwerk werden können, wenn er seine Erzählstruktur sinnvoll eingesetzt oder auch Mut zur Ambiguität und zu Leerstellen bewiesen hätte. Ein unkonventioneller und intellektuell ansprechender Film würde vorliegen, wenn er es nicht derart auf Eindeutigkeit anlegen würde und darauf, in den gesellschaftlichen Diskurs zu passen und seine Botschaft so zu vermitteln, dass sie auch ja der letzte Zuschauer versteht, der nebenher auf dem Smartphone herumtippt. So jedoch ist „The Last Duel“ zwar ein handwerklich und ästhetisch hochwertiger, inhaltlich und erzählerisch jedoch überaus blasser, mutloser und konventioneller Film, der sämtliche künstlerische Ambitionen und Möglichkeiten dem Bedürfnis unterordnet, dem Mainstream zu gefallen.

Hier erhältlich:

(Pascal Weber)
© Bilder und Trailer: 20th Century Studios | Walt Disney– Alle Rechte vorbehalten!

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Summary

Der Film hätte ein Kunstwerk werden können, wenn er seine Erzählstruktur sinnvoll eingesetzt oder auch Mut zur Ambiguität und zu Leerstellen bewiesen hätte.

5.3 Schade

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