Tides – Streaming Review | Constantin Film | 15.02.2022

TIDES Film 2021 Kino Trailer deutsch Artikelbild

Am 17. Februar 2022 kommt „Tides“ auf Blu-ray, DVD und digital in den Handel und wir haben das Review dazu:

Story

Die Menschheit hat es geschafft, die Erde unbewohnbar zu machen. Auf dem Planeten Kepler gelang es den Überlebenden, sich dort zu kolonisieren. Doch die neue Zuflucht beschert ihnen einen Beigeschmack. Die Frauen werden zunehmend unfruchtbar und die Existenz der Menschheit ist erneut in Gefahr. Man entscheidet sich zu einer Mission und entsendet die Ulysses zur Erde, in der Hoffnung, dass diese sich erholt hat und wieder lebensfähig ist. Doch die Mission scheint gescheitert zu sein, sodass ein zweiter Versuch unternommen wird. An Bord ist Blake, deren Vater die erste Mission leitete, ihre Kapsel stürzt allerdings ab. Nur sie und ihr Kollege Tucker überleben die Landung.

Tides – Blu-ray Review Film 2022 Szenenbild

Blake macht sich auf, die unwirkliche Gegend zu erkunden, es scheint alles recht trostlos. Urplötzlich wird sie niedergeschlagen und erwacht zusammen mit Tucker in Gefangenschaft. Die letzten Bewohner der Erde sind allerdings anders als erwartet. Sie sprechen eine seltsame Sprache und leben sehr primitiv. Doch unverhofft überfällt eine andere Gruppe die Bewohner, diese sind sogar bewaffnet. Es werden Gefangene gemacht, die abtransportiert werden, Blake gelingt es, sich darunter zu schmuggeln. In deren Lager wird Blake zu dessen Anführer gebracht, es ist ein Mann namens Gibson. Dessen einstiger Vorgesetzter ihr Vater war, natürlich hat Blake einige Fragen, doch schnell merkt sie, die Antworten verbergen einiges.

Eindruck

„Tides“ ist der zweite Film des Schweizer Regisseurs Tim Fehlbaum. Wie sein erster Film „Hell“, so behandelt auch „Tides“ ein Endzeitszenario. „Hell“ aus dem Jahre 2011 zeigt uns eine Welt, in der die Sonnenstrahlung derart zugenommen hat, dass ein Leben unter freien Himmel zunehmend tödlicher wird und die einzigen Überlebenden, neben der Flucht vor der Sonne, natürlich eines dringend benötigen, nämlich Wasser. Für eine deutsch/schweizerische Produktion, mit finanziell sehr geringen Mitteln, gelang Tim Fehlbaum ein durchaus ordentlicher und recht spannender Film.

Tides – Blu-ray Review Film 2022 Szenenbild

Nach 10 Jahren legt er mit „Tides“ seinen zweiten Film vor. Erneut eine Geschichte, die sich mit dem Ende der Menschheit befasst, ebenfalls mit geringen Mitteln produziert. In „Hell“ vermittelt der Regisseur uns die starke Sonnenstrahlung mit überbelichteten Bildern und einer entsprechenden Filterung, trotz der simplen Herangehensweise, erzeugte das Gezeigte durchaus Wirkung.

In „Tides“ sind es die Gezeiten, die ein Leben unmöglich machen und die Erde zweimal täglich überfluten lassen. Auch hier ist das Szenario einfach aber effektiv. Die Kulisse ist das Hamburger Watt, fahl gefiltert und stetig in mehr oder weniger Nebel eingehüllt. Klingt ernüchternd, ist es aber keineswegs, im Angesicht des geringen Budgets, holte der Regisseur hier Erstaunliches raus.

Tides – Blu-ray Review Film 2022 Szenenbild

Die Darsteller werden den meisten wenig sagen, bis auf Iain Glen (Gibson), der in der Resident Evil Reihe zu sehen und nicht zu vergessen ein großer Bestandteil der Fernsehserie „Game of Thrones“ war. Blake wird von Nora Arnezeder verkörpert, ihr Vater von Sebastian Roché dargestellt. Beide sind allerdings nicht unbekannt, denn aus der einen oder anderen Serie, kennt man beide bestimmt.

Fazit

„Tides“, der Name ist Programm, eben Gezeiten. Der Film bietet Ebbe und Flut, im wahrsten Sinne des Wortes. Gerade inhaltlich ist leider vieles Ebbe, der Regisseur verweigert dem Zuschauer einfach das nötige Hintergrundwissen. Wie genau wurde die Erde unbewohnbar, warum konnten dennoch einige überleben und wieso sprechen sie auf einmal diese seltsame Sprache? All das lässt „Tides“ oftmals wirr erscheinen. Es wirkt teilweise so, als ob das Drehbuch noch unfertig war.

Tides – Blu-ray Review Film 2022 Szenenbild

Zieht der Beginn auch dank faszinierender Bilder und der trostlosen Ausgangslage den Zuschauer noch in seinen Bann, so schnell zerstört die fortlaufende Story diese anfänglich recht gut aufgebaute Atmosphäre. Mal abgesehen von dem unverständlichen Dialekt, der überschaubar ausfällt, geraten auch die verständlichen Textpassagen recht überschaubar. Nicht in der Masse gemeint, sondern in ihrer Qualität. Viele Dialoge wirken konstruiert und man versucht neben der Story auch noch Gesellschaftskritisches einzupacken. Das ist löblich und gut gemeint, funktioniert allerdings in den seltensten Momenten. Auch das Acting der Darsteller wirkt dadurch recht hölzern, weder ihre Performance noch ihr Text, holen den Zuschauer hier komplett ab. Das „Tides“ ein paar Logiklöcher bereithält, gut damit kann ich in einer Endzeit/Sci-Fi Geschichte leben, aber wenn eine so vielversprechende Story mit so viel Potenzial so unspektakulär in ihrer Figurenzeichnung ist, dann hilft das recht eindrucksvolle Szenario, welches eine wirklich intensive Atmosphäre vermittelt, leider wenig.

Letztlich ist „Tides“ nicht wegen seiner begrenzten Mittel nur durchschnittliche Kost. Visuell wurde schon das Beste herausgeholt und es gibt viele Bilder und Momente, die definitiv faszinieren. Die Story allerdings plätschert so vor sich hin, auch wenn es hier und da ein paar überraschende Passagen gibt, so gelingt es dem Regisseur kaum, diese aufrechtzuerhalten. „Tides“ ist gewiss kein Totalausfall, er bietet schon gelungene Momente, gerade zu Beginn, aber der Versuch darauf aufzubauen, wird von der Ebbe immer eingeholt und spült die guten Ansätze mit der Flut zurück ins Meer.

Für mich ein gerade noch solider Film, mit interessanter Botschaft, vielversprechender Story, gelungenen Setting und einem, wie gesagt, unfertig erscheinenden Drehbuch. Schade, denn in dem Film „Hell“, der mir positiv in Erinnerung blieb, wirkte alles etwas runder. Nichtsdestotrotz, Tim Fehlbaum hat Talent und vieles zeigt sich auch in „Tides“. Aller guten Dinge sind ja drei, vielleicht wird sein nächster Film ausgereifter in den angesprochenen Kritikpunkten.

Testequipment
JVC DLA-X35
SONY KD-77AG9
Panasonic DMP UB704
Marantz AV8801 / MM7055
B&W 7er Serie 5.1

Hier erhältlich:

(Hartmut Haake)
© Bilder und Trailer: Constantin Film – Alle Rechte vorbehalten!

  • Story 7,5
  • Umsetzung 5,5
  • Unterhaltung 6
Summary

Für mich ein gerade noch solider Film, mit interessanter Botschaft, vielversprechender Story, gelungenen Setting und einem, wie gesagt, unfertig erscheinenden Drehbuch.

6.0 unfertig

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