Willkommen in Marwen – Blu-ray Review | Universal Pictures

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Willkommen in Marwen Review BD CoverMit „Willkommen in Marwen“ präsentiert uns „Mr. Zurück-in-die-Zukunft“ – Robert Zemeckis einen Einblick in das Leben des amerikanischen Künstlers und Illustrators Mark Hogancamp. Dessen bisheriges Leben wurde durch eine dramatische Begegnung gestohlen und wie Puppen ihm halfen, wieder ein fast normales Dasein zu führen. Der damals 38-jährige Mark Hogencamp wurde Opfer eines brutalen Überfalls. Nach einem Barbesuch wurde Hogencamp von fünf männlichen Tätern fast totgeschlagen. Neben seinen schweren körperlichen Verletzungen verlor er auch große Teile seines Langzeitgedächtnisses. Nachdem Hogencamp aus der Reha entlassen wurde, zog er sich größtenteils von der Gesellschaft zurück. So baute er sich seine eigene kleine Welt auf, die ihm helfen sollte, all das Erlebte zu verarbeiten. Der Film setzt nach dem Überfall, aber vor der endgültigen Verurteilung der Täter, an. Der Überfall selbst wird nur in kleinen Rückblenden und Erinnerungsfetzen gezeigt. Wie dieses doch wirklich außergewöhnliche Drama geworden ist, möchte ich euch mit meinem Review erzählen.

Story:

Mark Hogencamps Leben ist ein wahrer Trümmerhaufen. Der brutale Überfall, der ihn fast sein Leben gekostet hat, hat ihm auch die meisten Erinnerungen an sein früheres Ich gestohlen. Die verbleibenden Erinnerungen ergeben nicht mehr viel Sinn. Da scheint es eine Ehe gegeben zu haben, doch wer war diese Frau? Wer waren seine Freunde, wie war sein Leben vor dem Überfall. Das was immer und überall präsent ist, ist die Angst, die ihn verfolgt und sein Leben bestimmt. So lebt er fast vollständig zurückgezogen und hat sich seine eigene kleine Welt erschaffen. Früher sei er ein Künstler gewesen und diese Kreativität konnten ihm auch die fünf Monster nicht aus dem Leib prügeln. So baut er sich im Garten eine eigene Welt aus Holz, Pappkarton und Puppen, die er fotografiert und für die er Geschichten erfindet.

Willkommen in Marwen Review Szenenbild001Diese Welt erzählt die Geschichte des Piloten Captain Hogie, der mit seinem Flugzeug über feindlichem Gebiet abstürzt. Durch den Absturz verliert Hogie seine Stiefel, aber wie es der Zufall will, findet er in einem verlassenen Jeep einen Koffer mit hochhackigen Pumps. Im Krieg muss man nehmen was man kriegt und so schlecht fühlen sich diese Treter gar nicht an. Kurz darauf wird er von einer Gruppe Nazis gestellt, denen seine Schuhmode sofort auffällt und er wird nicht nur zum Gespött, sondern auch verprügelt. Rettung naht in Form der Frauen von Marwen, der Name des kleinen Puppen-Städtchens, das sich Mark Hogencamp ausgedacht hat. Dabei stehen die weiblichen Puppen für reale Frauen aus seiner Umgebung, wie zum Beispiel seine Reha-Therapeutin, seine Haushaltshilfe oder auch Roberta, die Besitzerin des hiesigen Modelbauladens. Dort kauft Mark immer seine Puppen und passendes Zubehör. Und natürlich Captain Hogie, der zu seinem persönlichen Helden und Aufpasser wurde, eine Art Alter-Ego. Doch es gibt auch noch die mystische Deja, die es nicht erlaubt, dass sich Captain Hogie von ihr trennt. Warum es Deja gibt und warum er sie erfunden hat ist Mark eigentlich nicht klar, dennoch ist sie da und Teil der Geschichte.

In dieser Welt fühlt sich Mark sicher. In der realen Welt wiederum steht der Termin der Verhandlung an und sein Erscheinen ist zwingend notwendig. Ohne sein Auftreten wird es schwer für seinen Anwalt, die Höchststrafe für dieses abscheuliche Verbrechen durchzusetzen. So schiebt Mark die Antwort über sein Kommen auf und lässt sich nur zu gern von der gegenüber eingezogenen neuen Nachbarin Nicol ablenken. Verzaubert von ihrer Art, wird auch sie Teil von Marks kleiner Welt. So ist es nicht verwunderlich, dass Captain Hogie ein Auge auf Nicol wirft und sich eine Liebesgeschichte

Auch wenn der geneigte Leser jetzt meint, erahnen zu können, wie sich Mark Hogencamps Geschichte weiterentwickelt, so möchte ich genau an dieser Stelle, meine Inhaltsbeschreibung abbrechen und mit dem Sprichwort enden: Denke nie, gedacht zu haben… denn vieles kommt anders als man denkt.

Willkommen in Marwen Review Szenenbild002Meinung und Bewertung:

Schon bei den ersten Infos zu Robert Zemeckis neustem Film wurde mein Interesse geweckt. So informierte ich mich schon vor der Kinoveröffentlichung, über den wahren Mark Hogancamp. In meinen Augen eine faszinierende Person, welche auf ganz eigene Art einen Weg aus seiner Not gefunden hat. Somit war die Spannung groß zu sehen, wie ein Robert Zemeckis diese Geschichte auf die Leinwand bannt. Doch leider wurde „Willkommen in Marwen“ nicht das erhoffte Meisterwerk. Dieser Film ist zwar weit entfernt von schlecht, aber er hat dennoch neben viel positiven, auch einige negative Punkte.

Fangen wir mit dem positiven Teil der Geschichte an, den technischen Anteil erläutere ich später. Die Geschichte um Mark Hogancamp ist ausgefallen und trotzdem sehr einfühlsam inszeniert. Steve Carrels Darstellung überzeugt auf ganzer Linie. Sei es Marks Verschlossenheit, seine Trauer, seine Panik, seine Angst, seine Einsamkeit. Man fühlt zu jeder Zeit mit, was sich gerade in Mark Hogancamp abspielt. Auf die Detaildarstellung des Überfalls wird verzichtet und doch erfährt man ganz genau, was Mark da wiederfahren sein muss. Die Nebencharaktere sind mit Nicol und Roberta und anderen gut gewählt, dennoch fehlt es diesen an entsprechender Screentime. Die Hauptdarsteller sind definitiv die Puppen mit Carrell in Doppeldarstellung des Captain Hogie und Marc Hogancamp.

Und so sind wir schon beim negativen Aspekt, spielt der erste Teil des Films noch recht ausgewogen in beiden Welten, so nimmt der Puppenweltanteil ab der Hälfte von Minute zu Minute zu. Natürlich führt dies zu dem Höhepunkt, der mit heftigen Bildern den Konflikt Hogancamps zeigt. Aber der Höhepunkt, den Zemeckis mit einem heftigen Effektgewitter einleitet, ist mir persönlich zu viel. Der Zuschauer ist mehr mit Captain Hogies Schicksal und Kampf beschäftigt, als mit der realen Person Hogancamp. Dabei spielt es keine Rolle, dass die Figuren miteinander verbunden sind. Denn der reale Eindruck und das Mitfühlen mit Mark Hogancamp schwindet und der Fantasieanteil mit einem Actionfeuerwerk nimmt Überhand. Dieser Teil ist eindeutig zu lang geraten. Auch mit Hogancamps ereilende Erkenntnis (bezogen auf Deja) habe ich so meine Probleme, diese wird einem wie aus dem Nichts präsentiert. Mir fehlt da die Erklärung oder eine Herleitung dazu. Auch im Verlauf des Filmes lässt sich kein direkter Hinweis darauf finden.

Willkommen in Marwen Review Szenenbild003Von technischer Seite bekommt der Zuschauer sehr hochwertiges Motion-Capturing geboten, ebenso sieht die CGI hervorragend aus. Gerade die animierten Puppenbewegungen sind sehr gut gewählt, nicht flüssig, sondern hackelig. Das unterstreicht den gewollten Effekt der Fantasieebene enorm. Ebenso die Darstellung vom Tode verschiedener Puppen. Die Idee, die Puppen zerfallen oder stocksteif werden zu lassen, anstatt Einschusslöcher und Blut zu zeigen, ist clever gelöst. Kleiner Fun-Fact: Zemeckis konnte es nicht lassen, eine kleine Hommage an sich selbst einzubauen, als Tipp seien nur die drei Zeiten: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft genannt.

Fazit:

Kommen wir zum Fazit. Steve Carrel zeigt uns schauspielerisch eine absolute Glanzleistung, mal dramatisch, mal einfühlsam, mal ängstlich oder auch panisch, aber auch traurig, verletzt und schlussendlich mutig. Jegliche Darstellung Carrels ist in meine Augen brillant, immer nachvollziehbar und nie drüber. Die Nebencharaktere leiden derweil an zu wenig Screentime und wir bekommen nur einen groben Abriss der realen Frauen zu sehen. Zu sehr konzentriert sich Zemeckis auf deren Darstellung in der Puppenwelt.

Technisch ist alles auf Top Niveau. Leider verliert sich Zemeckis in der Technik und der damit verbundenen Fantasiedarstellung. So nehmen diese Szenen im Laufe des Films überhand. Diese lassen den Streifen dann auch gefühlt zu lang wirken. Der Film ist deswegen jetzt nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Aber man wird das Gefühl nicht los, das da noch mehr hätte drin sein können. Etwas ausgewogener hätte der Film definitiv ausfallen dürfen, eher 50:50. Auch wenn sich das Finale um Mark Hogencamps Dilemma zuspitzt, so sehr wird dieses durch Zemeckis Puppenweltspektakel am Ende überlagert. Dadurch rückt die reale Person Hogancamp mit seinen wahren Problemen in den Hintergrund. Zu sehr lässt Zemeckis die Fiktion das Ruder übernommen. So reicht es für mich nicht zur Höchstwertung, dennoch positioniert sich der Film im oberen Bereich der Werteskala. Somit geht meine Empfehlung an jeden, der mal wieder einen Film außerhalb des Mainstreams schauen möchte.

Habt ihr den Film gesehen, wie habt ihr ihn empfunden, hat er euch gefallen, bejubelt ihr ihn oder fandet ihr ihn bescheiden, wenn nicht sogar schlecht? Teilt es uns in den Kommentaren mit.

Bild:

Das Bild zeigt eine wirklich gute Detailschärfe, Farben und Kontraste sind ebenfalls auf hohem Niveau. Ebenso der Schwarzwert, der schwarz und kein grau zeigt. Ganz zur Höchstnote reicht es zwar nicht, da ich ab und zu der Meinung war, ein paar Unschärfen gesichtet zu haben, dennoch haben wir es mit einem wirklich tollen Bild zu tun.

Willkommen in Marwen Review Szenenbild004Ton:

An Tonformaten hat die BD folgende an Bord: Deutsch – DD 5.1, Englisch Dolby TrueHD 5.1 und Spanisch DD 5.1. Der deutsche Ton kommt sehr kraftvoll und Bass lastig durch die Boxen. Befindet sich Hogie im Kriegseinsatz, hat man das Gefühl mitten in der Schlacht zu sein. Hierbei gehen die Dialoge dann teils aber unter. Bei Musikalischer Untermalung wiederum sind die Dialoge klar zu verstehen, da sich die Musik vornehm zurücknimmt.

Extras:

An Bonusmaterial gibt es leider nicht viel. Ein paar entfernte Szenen, sowie kurze Einblicke in das Motion Capturing, Marwens Bürger, ein Einblick über das Konstrukt der Stadt Marwen und ein Interview mit Robert Zemeckis. Alles nichts wirklich Außerordentliches. Was ich mir gewünscht hätte, wäre ein Interview mit dem echten Mark Hogancamp gewesen oder zumindest eine kurze Zusammenfassung über diesen Menschen. Daher reicht es nur für eine durchschnittliche Bewertung.

(Marc Maurer)

©Bilder, Trailer und Medium zur Verfügung gestellt von Universal Pictures – Alle Rechte vorbehalten.

 

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7.7 Gut

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