Leon der Profi – Blu-ray remastered 4K Review | Studiocanal

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Leon BD CoverMit „Leon der Profi“ erschuf der französische Ausnahme Regisseur Luc Besson 1994 ein Action-Drama der besonderen Art. Ein Mafiakiller und ein elternloses zwölfjähriges Mädchen vereint in einer grausamen Welt der Gewalt. In welcher doch so etwas wie Freundschaft und sogar eine Art „Liebe“ entstehen kann. Sieht man den Film im KinoCut, steht der Action Anteil klar im Vordergrund. Sieht man ihn sich aber im Directors Cut an, wandelt sich der Film zu einem Action-Drama. Studiocanal veröffentlichte der Tage, unter ihrem Label ARTHAUS, den Film in einer frisch restaurierten Fassung in 4K. Bessons Fangemeinde sollte der Film bekannt sein, dem Nichtkenner möchte ich einen kurzen Abriss der Geschichte liefern, bevor ich zu dem Punkt komme: ob und für wen sich ein Upgrade lohnt.

Inhalt:

Der aus Frankreich geflohene Leon steht seit jungen Jahren als Auftragskiller / Cleaner in den Diensten der Mafia. Seit seiner Ankunft in Amerika hat ihn sein Ziehvater Tony unter seine Fittiche genommen, dieser regelt auch das Finanzielle und Geschäftliche. Leon ist eine präzise arbeitende Tötungsmaschine, die einzige Regel, die er für sich aufstellte: Keine Frauen, Keine Kinder! Neben seinen „Jobs“ hält er sich stets im Hintergrund und vermeidet jegliche Aufmerksamkeit. Sein einsames Leben fristet er mit seinem besten Freund, einer Zimmerpflanze. Dummerweise wohnt er neben einem kleinen Dealer und dessen Familie, darunter seine zwölfjährige Tochter Mathilda. Dieser meint seinen Auftraggebern gestreckten Stoff unterzujubeln, um selbst was abgreifen zu können. Diese Rechnung hat er aber nicht ohne den durchgeknallten Norman Stansfield gemacht, seines Zeichens auch noch DEA Agent der Drogenbehörde. Stansfield kann es gar nicht ab, wenn man ihn für dumm verkauft. So macht er kurzen Prozess, einzig Mathilda kann sich aus der Situation heraus stehlen und versucht, bei dem wortkargen Nachbarn unterzutauchen.

Leon News Szenenbild001Damit bringt sie Leon in einen wahren Interessenkonflikt. Sie muss so schnell wie möglich wieder weg, doch nach und nach entwickelt sich eine Art von Freundschaft. Sie will ebenfalls wie Leon „Cleaner“ werden und den Tod an ihrem kleinen Bruder rächen. Auch wenn Leon zweifelt, lässt er sich umstimmen und weiht sie in die Geheimnisse eines Auftragskillers ein. Leons einfältiges Wesen lässt ihn dabei übersehen, dass Mathilda immer noch ein Kind ist. Und auch sie wird, wie andere Kinder auch, von Begeisterung, Wut, Schwärmerei und Trauer stark beeinflusst. Von ihrer Sprunghaftigkeit und unsteten Verhalten ganz zu schweigen. Mathilda vermischt auch Zunehmens Zuneigung und Liebe miteinander und auch Leon empfindet ebenfalls immer mehr für Mathilda. Das, und dass Mathilda dabei noch Stansfield auf ihre Spur bringt, verkompliziert die Sache ungemein. Denn auch bei Stansfield geht es um alles und im Gegensatz zu Leon kennt er kein Halt vor Frauen und Kindern.

Meinung und Bewertung:

Die neue BD bietet wie auch schon die Vorgänger BD einmal den Kino-Cut und den wesentlich intensiveren und in meinen Augen besseren Directors-Cut. Beim Kino-Cut liegt das Hauptaugenmerk auf der Action und der skurrilen und teils lustig auflockernden Beziehung zwischen Mathilda und Leon. Beim Directors-Cut wirft Regisseur Luc Besson einen tieferen Blick in diese Beziehung. Nicht nur das Thema „Ausbildung zum Killer“, sondern auch auf das Emotionale. Während der Kino-Cut mehr eine freundschaftliche Beziehung zeigt, entwickelt sich im Directors-Cut eine Art von Liebe zwischen Mathilda und Leon, welche recht nachvollziehbar von Besson inszeniert wird. Dies könnte man in der heutigen Zeit als grenzwertig betrachten, ich für meinen Teil sehe es als Liebe zwischen großem Bruder – kleiner Schwester oder Vater zu Tochter.

Leon News Szenenbild002Im längeren Directors-Cut entwickelt sich die Geschichte auch gerade durch diesen Plot zu einem Action-Melodram. Durch die Beziehung zwischen Mathilda und Leon steigt der Spannungsanteil enorm. Denn durch Mathilda wird Leon verwundbar und reagiert zunehmend emotionaler. Mathildas fehlende Weitsicht bezogen auf ihre Aktionen, bringen beide immer wieder in Bedrängnis, was sich im einfachsten Fall mit einem Umzug lösen lässt. Doch Mathildas Plan, Stansfield persönlich aufzusuchen, entwickelt sich zu einem folgenschweren Fehler. Dies lässt den Zuschauer dauerhaft mitfiebern und sich die Frage stellen, ob die beiden aus dieser Situation heil herauskommen.

Spannung, Situationskomik und Dramatik geben sich ausgewogen die Klinke in die Hand. Jean Reno und Gary Oldman verkörpern ihre Figuren absolut überzeugend. Renos Darstellung als Leon ist grandios. Wirkt er einerseits als immerwährender Herr der Lage, ist sein Handeln teils einfältig und gleichzeitig etwas hilflos, wenn es um Mathilda geht. Gary Oldman Darstellung als Stansfield ist ebenso grandios. Egal wie irre und durchgeknallt er Stansfield darstellt, man spürt immer die tödliche Gefahr, die von diesem ausgeht. Die Showstealerin bleibt aber Natalie Portman, die mit ihren damals elfeinhalb Jahren eine Performance abliefert, mit der sie nicht nur mit Reno und Oldman gleichzieht, sondern deren Leistung noch übertrifft. Ein Talent, dem man damals schon anmerkte, dass da großes Potential für weiter Projekte dahintersteckt. Zugegeben „Star Wars“ Epsiode 1 bis 3 gehören definitiv nicht zu ihren Glanzlichtern.

Leon News Szenenbild003Kurz und bündig, mit „Leon der Profi“ gelang Besson ein kleines Meisterwerk mit einer starken Story und noch stärker aufspielenden Cast, die Inszenierung, die Kameraeinstellungen und der furiose Schnitt tun ihr übriges. Für mich bleibt Leon immer eine Perle des französischen Action-Drama Kinos. Ganz reicht es für mich nicht zur Höchstnote, da gibt es noch ein paar Filme, die ein Stückchen besser sind, denn diese angedeutete „Affäre“ hinterlässt bei mir immer einen merkwürdigen Eindruck. Dennoch platziert sich Bessons Werk wohlverdient auf den oberen Rängen.

Habt ihr Leon der Profi gesehen, wie habt ihr ihn empfunden, hat er euch gefallen, bejubelt ihr ihn oder fandet ihr ihn bescheiden, wenn nicht sogar schlecht? Teilt es uns in den Kommentaren mit.

Bild:

Nun lag mir zur Sichtung die „frisch“ restaurierte 4K BD vor und da ich die vorige VÖ des Films ebenfalls besitze, konnte ich einen direkten Vergleich machen. Dieser fällt aber so marginal bis überhaupt nicht auf. Einzig vielleicht auf Bilddiagonalen jenseits der 55“ wäre eine Steigerung eventuell zu erahnen. Bis zur 55“ Zoll Diagonale sind mir persönlich keine wirklichen Unterschiede aufgefallen. Die Schärfe ist bei beiden sehr gut. Farben, Kontraste und Schwarzwerte ebenfalls. Das einzige wo ich mir unschlüssig bin, ist der Weißabgleich, dieser könnte einen ticken, ein Hauch besser als bei der vorigen Veröffentlichung sein. Ein Upgrade der vorgehenden Ultimate Editon rechtfertigt diese Veröffentlichung meiner Meinung nach nicht. Andererseits wurde die Neuauflage auch nicht verschlimmbessert, was leider auch ab und an passiert. Bei gleichem Preisgefüge ist bei einem Erst- oder Neukauf somit natürlich der Griff zur Neuauflage angeraten.

Leon News Szenenbild004Ton:

Beim Ton gibt es ebenfalls keine Unterschiede, da der Film sehr Dialoglastig ist und von seiner musikalischen Untermalung lebt, bleibt der Surroundsound auch recht unauffällig im Hintergrund. Außer bei der Stürmung der Wohnung, wird es etwas räumlicher. Die Dialoge bleiben derweil immer klar und verständlich.

Extras:

  • Kinofassung (Laufzeit: ca. 110 Minuten)
  • „Léon – A Ten Year Retrospective“
  • „Jean Reno – The Road To Léon“
  • „Natalie Portman – Starting Young“
  • Interview mit Jean Reno
  • Interview mit Komponist Eric Serra
  • Fact Track
  • Making of
  • Fotogalerie
  • Trailer

(Marc Maurer)

©Bilder, Trailer und Medium zur Verfügung gestellt von Studiocanal – Alle Rechte vorbehalten.

Ein kleines Meisterwerk mit einer starken Story und noch stärker aufspielenden Cast!

  • Story 8.5
  • Bild 9
  • Ton 8
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Summary
8.5 Gut

Kommentare

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