2235 – I am Mortal – Streaming-Review | Tiberius Film | 01.03.2022

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Ab dem 4. März 2022 kann man den Film „2235 – I am Mortal“ auf Blu-rayDVD und Digital ansehen und wir haben das Review dazu:

Bereits im Jahr 2019 entstand mit dem Science-Fiction-Film „2235 – I am Mortal“ die zweite Regiearbeit des US-Regisseurs Tony Aloupis. Dank des Vertriebs Tiberius Film ist der Titel ab Anfang März hierzulande erhältlich – wobei, ob dem Unternehmen dafür wirklich unser Dank gebührt, das muss sich erst herausstellen.

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Story:

Im Jahr 2235 führen die Menschen mittels Technologie ein ewiges Leben. Der Tod ist bezwungen, auch Katastrophen wie Seuchen oder Kriege gehören der Vergangenheit an. Doch fehlt einigen Menschen unter diesen Umständen die Erfüllung und sie möchten der Menschheit das ihrer Ansicht nach hohe Gut der Sterblichkeit zurückgeben. Für ihren Plan engagieren sie den jungen Logos (Abraham Lewis), welcher den gleichen Standpunkt vertritt.

Eindruck:

Wir brauchen uns bei „2235 – I am Mortal“ gar nicht lange mit den filmtechnischen Aspekten aufhalten, dazu ist schnell alles gesagt. Die Filmsets sind uninspiriert und lieblos eingerichtet, nach einem 23. Jahrhundert sieht hier nichts aus. Die Darsteller sind furchtbar schlecht, sie agieren je nach Situation übertrieben entsetzt, debil grinsend oder gleich komplett ausdruckslos. Die Dialoge grenzen an Folter, so unerträglich anzuhören sind sie. Entweder wirken sie komplett reizlos und mechanisch und erinnern dann an Erklär-Monologe aus einem Videospiel, oder aber sie rekurrieren auf die beliebigsten Sprüche, welche die Autoren spontan in ihren Motivationskalendern finden konnten, wie zum Beispiel: „Freunde sind wirklich äußerst wichtig“ oder „Jedes Wesen auf der Welt verdient, die Dinge so zu sehen, wie wir es tun.“ Letztgenannte Aussage muss man sich auch inhaltlich einmal auf der Zunge zergehen lassen, dazu aber gleich mehr. Immerhin können wir dafür dankbar sein, dass „2235 – I am Mortal“ praktisch gänzlich auf Spezialeffekte verzichtet – man möchte es sich kaum ausdenken, was dabei für ein Debakel zustande gekommen wäre, wenn der Film schon an Aspekten scheitert, die sich auch ohne ein hohes Budget deutlich besser umzusetzen sind.

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Die wahre Tragödie des Films liegt jedoch in der Handlungsebene – und „Tragödie“ ist dabei nicht annähernd im Sinne der klassischen griechischen Tragödie gemeint, welche sich bereits vor 2500 Jahren gekonnt mit Fragen der menschlichen Existenz und des Schicksals auseinandersetzte. Nun würde an einen Low Bugdet-Film aus dem 21. Jahrhundert wohl auch niemand, der bei klarem Verstand ist, die Erwartungshaltung herantragen, dass er künstlerisch und intellektuell mit der antiken griechischen Tragödie mithalten kann. Die überspitzte Bezugnahme hierauf erfolgt aber deswegen, weil „2235 – I am Mortal“ tatsächlich die Hybris aufweist, besondere kulturelle und intellektuelle Kenntnis für sich zu beanspruchen. Hinter dieser Fassade offenbaren sich jedoch sowohl außerordentliche Kulturlosigkeit als auch geistige Unterkomplexität.

Zu Beginn ist zu sehen, wie der Protagonist Logos den Philosophieklassiker „Das Sein und das Nichts“ von Jean-Paul Sartre liest. Dabei handelt es sich um einen der bedeutsamsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Ein grundlegender Gedanke, den Sartre in seinem Hauptwerk ausformuliert, handelt von der sogenannten Unaufrichtigkeit. Simplifiziert gesagt ist damit gemeint, dass Menschen in verschiedenen Kontexten, etwa im Berufsleben, eine bestimmte Rolle einnehmen und sich exakt mit dieser identifizieren, und zwar nur deshalb, weil sie die Vielzahl anderer Möglichkeiten schlichtweg nicht berücksichtigen und damit letztlich ihre Freiheit missachten. Zugegeben: Dieser Gedankengang scheint auf den ersten Blick mit der Stoßrichtung des Films zusammenzupassen, dem es ja darum geht, dass die Menschen ihr gegenwärtiges Sein hinterfragen und andere Möglichkeiten in Betracht ziehen sollen.

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Damit hören jedwede Bezugspunkte von „2235 – I am Mortal“ zu tatsächlich gehaltvollen philosophischen und geistigen Reflexionen jedoch schon wieder auf. Die Kernaussage, dass das Leben nur dann wirklich wertvoll ist, wenn es nicht unendlich lang dauert, mag gut gemeint sein, doch der Film macht nicht viel mehr aus diesem Statement. Später im Film, als das Buch Sartres erneut auftaucht, wird es mit „“Das Sein und das Nichts“… klingt heftig!“ goutiert. Das spiegelt sehr deutlich das geistige Niveau wider, mit dem wir es hier zu tun haben. Es gibt keine Facetten in Bezug auf und keine tiefschürfende Diskussion über den zentralen Konflikt, nur ein plumpes „so ist es!“, welches sich durch den gesamten Film zieht. Damit versäumt es der Film, seinen eigens gesetzten philosophischen und intellektuellen Ansprüchen gerecht zu werden. Wenn man weiß, welche Botschaft der Film vermitteln möchte, gibt es nicht einen Grund mehr, 83 Minuten Zeit für ihn zu verschwenden.

Problematisch ist daran insbesondere, dass der Film für das Anliegen der Rebellengruppe, welche die Unendlichkeit des Lebens aufheben möchte, keine nachvollziehbare Dringlichkeit vermittelt. Es ist zwar permanent davon die Rede, dass das ewige Leben der falsche Weg sei, doch wird nie konkret gezeigt oder anderweitig verdeutlicht, inwiefern es für die Menschen schlussendlich von Nachteil ist. Im Sinne des guten alten Deutschunterrichtes an der Schule, wo man bekanntermaßen lernt, dass ein Argument grundsätzlich aus den drei Kernelementen Behauptung, Begründung und Beispiel besteht, könnte man sagen, dass die beiden Letztgenannten hier völlig fehlen. Hinzu kommt, dass die Rebellen den Menschen nicht etwa die Wahl lassen wollen, ob sie das unendliche Leben so wie bisher gekannt weiterführen oder den Weg des endlichen Lebens wählen möchten. Die Rebellen sprechen zwar davon, dass die Menschen einem Zwang unterliegen, eben dem Zwang, unendlich lange zu leben, wollen ihnen ihrerseits ja aber auch einen Zwang aufoktroyieren, nur besteht dieser eben aus der Kehrseite der Medaille.

Fazit:

All das würde weit weniger aufstoßen, wenn der Film nicht den Anspruch erheben würde, einem philosophisch bedeutsamen Werk wie „Sein und Zeit“ gerecht zu werden. Dann würde es sich bei „2235 – I am Mortal“ schlicht um ein belangloses Filmchen handeln, das man, anders als „Sein und Zeit“, schnell wieder vergessen wird. So aber handelt es sich sowohl um ein belangloses Filmchen als auch um eine unsagbare Dreistigkeit.

 

Hier erhältlich:

(Pascal Weber)
© Bilder und Trailer: Tiberius Film – Alle Rechte vorbehalten!

  • Story 2
  • Unterhaltung 3
  • Umsetzung 3
Summary

„2235 – I am Mortal“ ist ein belangloses Filmchen und gleichzeitig eine unsagbare Dreistigkeit.

2.7 Lieblos

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