NUR EINE FRAU – DVD Review | EuroVideo Medien

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Nur eine Frau DVD CoverStory:

Hatun “Aynur” Sürücü steht vor ihrer arrangierten Hochzeit in der Türkei, die Mutter gibt ihr noch letzte Tipps, um ihren Ehemann eine gute Frau zu sein. Doch die Ehe ist wie ein Gefängnis für Aynur, sie wird geschlagen und unterdrückt, so dass sie schwanger und allein nach Deutschland zurückkehrt. Doch das gestaltet sich schwierig, wie konnte sie ihren Mann verlassen, die Familie ist sichtlich geschockt, nimmt sie aber auf. Das Zusammenleben entwickelt sich zunehmend komplizierter, Aynur hat inzwischen ihren Sohn Can auf die Welt gebracht und allmählich wird es zu eng in der Wohnung, mit all ihren Brüdern und Schwestern. Zudem wird sie teils wie ein Fremdkörper behandelt, was natürlich daran liegt, dass sie ihren Mann verlassen hat. So sucht sich Aynur einen Job, eine Wohnung und lernt neue Freunde kennen. Die Familie ist entsetzt, fühlt sich entehrt. Immer mehr entwickelt sich Aynur zu einer selbstständigen Frau, sie legt sogar ihr Kopftuch ab, ein weiterer Schlag ins Gesicht ihrer Familie. Als Aynur dann den deutschen Tim kennen und lieben lernt, verhärten sich die Fronten zu ihrer Familie. Sie bekommt Drohanrufe, wird beschimpft und das alles ist erst der Anfang.

Nur eine Frau Review Szenenbild001Eindruck:

Sicherlich keine einfache Kost dieser Film, gerade, weil „Nur eine Frau“ auf einer wahren Begebenheit beruht. Der Ehrenmord an Hatun “Aynur” Sürücü ereignete sich im Jahr 2005 und sorgte nicht nur bundesweit für Entsetzen.

Sherry Hormann packt die Ereignisse in eine Filmbiographie, gespickt mit Originalaufnahmen. So wirkt „Nur eine Frau“ recht dokumentarisch in seiner Filmsprache, mit Fotos, die teils fortlaufend inszeniert sind, wird das Gezeigte häufig unterbrochen. Allerdings erzeugt das eine realistische, wenn auch teils gewöhnungsbedürftige Wirkung und passt sehr gut zu dem schwierigen Film.

Die Geschichte wird behutsam erzählt, selbst die Geschehnisse um ihren gewalttätigen Mann werden nur angedeutet. Chronologisch werden die letzten sieben Jahre von Hatun “Aynur” Sürücü erzählt, man lernt ihre große Familie kennen, die Aynur liebt und auch, wie sie auf ihre Entscheidungen reagiert. Aus dem Off kommentiert Aynur häufig die Geschehnisse, die sie erlebt, das macht es dem Zuschauer einfacher, vieles zu verstehen.

In „Nur eine Frau“ wird Hatun “Aynur” Sürücü von Almila Bagriacik sehr eindrucksvoll dargestellt, sie lässt einen perfekt in die tragische Geschichte eintauchen. Auch der restliche Cast gefällt und macht einen tollen Job, so zeigen die Darsteller gekonnt anfänglich die liebende Familie. Und genauso intensiv, wie abstoßend sie plötzlich auf Aynur reagieren, die trotz ihrer schwerwiegenden Entscheidungen, ihre Familie nach wie vor liebt.

Nur eine Frau Review Szenenbild003Fazit:

Ein schwieriges Thema einer wahren Tragödie, wird in „Nur eine Frau“ gekonnt rekonstruiert. Mit Szenen, die einen schlucken lassen, ohne dass hier mit erhobenem Finger auf Klischees verwiesen wird. Man versucht dem Zuschauer die Kultur und Traditionen der Familie näherzubringen, das gelingt sehr gut. Dieses Drama um den Ehrenmord in „Nur eine Frau“ bekommt dadurch eine passende Plattform. Der Film wirkt so realitätsnah, dass man das Gefühl bekommt, Aynur auf ihren Weg zu begleiten, wie sie aus der Tradition ausbricht, mit all ihren Schwierigkeiten. Und wie sie kämpft, ihre Familie nicht zu verlieren, wie sie alles versucht, einfach Verständnis zu bekommen, weil sie doch zur Familie gehört.

Ein sehenswerter Film zu einem nicht einfachen Thema, den ich gerade deswegen hier empfehle, weil er nachdenklich und betroffen macht. Der mit ruhiger und neutral wirkender Herangehensweise die letzten sieben Jahre von Aynur schildert, ohne plakativ zu wirken.

Eine bewegende Geschichte, die nicht in Vergessenheit geraten sollte und dank diesem Film, wird sie es nicht.

Nur eine Frau Review Szenenbild004Bild:

Das Bild bietet vieles, mal dokumentarisch wirkend, mal filmisch. Dazu ein vorsichtiger Filtereinsatz, der gekonnt die Stimmung des Filmes abbildet. Die Schärfe der DVD bewegt sich auf gutem Niveau und bietet ein detailreiches Bild. Wenige Szenen sind weicher oder wirken körnig, das ist häufig der entsprechenden Situation im Film geschuldet und ist alles andere als unpassend. Kurzum ein gelungenes Bild erwartet den Zuschauer hier.

Ton:

Thematisch klar, der Film ist dialoglastig und die Stimmen werden klar wiedergegeben. Die Abmischung ist eher unspektakulär und frontlastig ausgefallen, einzig der Score oder ein paar Musikstücke sorgen für Dynamik und Räumlichkeit. Insgesamt aber eine treffende Vertonung, die der Geschichte gerecht wird und sie nicht unnötig akustisch aufwertet.

Extras:

  • Hörfilmfassung
  • Interviews mit Almila Bagriacik, Sherry Normann und Sandra Maischberger
  • Im Gespräch über Nur eine Frau
  • Kinotrailer

Testequipment:

JVC DLA-X35
Panasonic DMP UB704
Marantz AV8801 / MM7055
B&W 7er Serie 5.1

(Hartmut Haake)
©Bilder EuroVideo Medien – Alle Rechte vorbehalten!

Nur eine Frau DVD Cover

 

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Ein sehenswerter Film zu einem nicht einfachen Thema.

  • Story 8
  • Bild 8
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Summary
8.0 Gut

Discussion3 Kommentare

  1. Avatar

    Dachte ich mir, daher hab ich das übernommen. 😉

    Als Rezensent braucht man da auch keine Stellung zu beziehen, das überlässt man den Kommentatoren. 😉

  2. Avatar

    Danke Marc,
    übrigens den Begriff Ehrenmord habe ich absichtlich nicht thematisiert.
    Darüber darf sich der Zuschauer selbst ein Bild machen.

  3. Avatar

    Sehr gutes Review. Der Begriff “Ehrenmord” empfinde ich heute, wie auch schon damals mehr als befremdlich. Klar, andere Länder, andere Sitten. Aber dennoch bin ich der Meinung, dass die Menschen den Begriff offen umbennenn sollten und zwar in “Mord aus fälschlich angenommener Ehre”. Denn ein Mord kann nie ehrenvoll sein. Auch wenn manch fehldenkendes Individium, solch eine Tat mit dem paradoxen Begriff “Ehrenmord” oder “Mord aus Ehre” rechtfertigen will.

Kommentare

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