INVASION VOM MARS (1986) - Blu-ray Review | Koch Media

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Invasion vom Mars Review CoverFilm: Eines Abends beobachtet der junge David, wie hinter dem Hügel seines Elternhauses ein Raumschiff landet. Am nächsten Morgen fällt David sofort das merkwürdige Verhalten seiner Eltern auf, die sich kurz zuvor an der Stelle umgesehen haben. Schon bald greift das merkwürdige Verhalten auch auf alle über die, genau, wie seine Eltern, der Sandgrube hinter dem Haus zu nahe kamen. Gemeinsam mit der Schulpsychologin Linda Magnusson (Karen Black) macht David eine schreckliche Entdeckung…

Wenn Sie ein gewisses Alter erreicht haben, werden Sie das folgende Phänomen vielleicht – wahrscheinlich sogar mit großer Gewissheit – selbst schon einmal erlebt haben. Sie erinnern sich vage an einen Film, den Sie in ihrer Jugend gesehen und unheimlich gut gefunden haben. Im Laufe der Jahre verblasst die Erinnerung an den Film, und plötzlich erscheint er in den Regalen des Elektroeinzelhändlers ihres Vertrauens. Sie greifen beherzt zu und freuen sich, endlich den Film, den Sie damals so toll fanden, neu zu entdecken. Und was passiert? Beim Anschauen des heiß erwarteten Streifens stellt sich schnell die Ernüchterung ein. Und plötzlich steht die Frage im Raum, was genau Sie damals so gut daran fanden. Das Problem nennt sich selektive Erinnerung, die uns lediglich vorgaukelt, etwas besonders Tolles gesehen zu haben, weil wir das weniger Gute verdrängen.

Invasion vom Mars Review Szenenbild001Der Film erzählt eine typische Invasions-Geschichte, wie wir sie schon zuhauf gesehen haben. Fiese Aliens verwandeln harmlose Mitmenschen in gefühlskalte Roboter, um sich die Erde und deren Bewohner untertan zu machen. Die Geschichte wurde schon in zahlreichen Versionen immer und immer wieder neu erzählt – einfach, weil sie gefällt. Daran gibt es auch nicht das Geringste auszusetzen. In der Hauptrolle haben wir dabei zumeist eine Person, mit der sich der Zuschauer identifizieren kann, der allerdings aufgrund seines Standes oder Alters unglaubwürdig wirkt. In diesem Fall ist das der kleine David Gardner, der gleich nach dem Vorspann als Science-Fiction-Fan deklariert wird. Dieser beobachtet, wie die Aliens in der Sandgrube hinter seinem Elternahaus landen, doch niemand mag ihm Glauben schenken. Im Idealfall ist auch der Zuschauer zunächst skeptisch, ob er den Worten des Protagonisten Glauben schenken möchte, denn dadurch erhält der Film einen zusätzlichen Reiz. Das hier allerdings bereits ganz am Anfang die Landung des Raumschiffes gezeigt wird, nimmt dem Film ein wenig der möglich gewesenen Spannung. Auch die Verwandlung des Vaters, die so offenkundig ist, dass selbst der letzte Depp erkennt, dass mit dem eben noch fürsorglichen Familienmenschen etwas nicht stimmt (unterstützt durch eine gut sichtbare Verletzung im Nacken – das Markenzeichen der Verwandelten!) ist ebenfalls ein künstlerischer Fehlgriff. Die Verletzung, die daher rührt, dass die Aliens den Menschen Sender einpflanzen, mit denen sie diese steuern können, macht eine Identifizierung der Betroffenen natürlich sehr leicht – wodurch abermals ein Großteil der möglichen Spannung aus dem Film herausgenommen wird.

Als nächstes erwischt es die ohnehin unheimliche und verhasste Lehrerin Mrs. McKeltch, die von Louise Fletcher derart übertrieben und mies dargestellt wird, dass sie für ihre Darstellung ein „Goldene Himbeere“-Nominierung als schlechteste Nebendarstellerin für sich verzeichnen konnte. Immerhin: Wenn Mrs. McKeltch von David dabei erwischt wird, wie sie in ihrem Büro einen Frosch verschlingt, dann ist das auch aus heutiger Sicht noch ein schockierender Anblick – es sei denn, Sie kommen aus Frankreich, wo derartige Absonderlichkeiten zur Houte Cuisine gehören.

Erstaunlich ist indessen, dass lediglich Louise Fletcher für den Negativ-Oscar nominiert wurde, denn eigentlich spielt sie nicht viel schlechter als der Rest des Casts. Besonders Kinderdarsteller Hunter Carson liefert eine unterirdische Darstellung ab, die nur zum Teil auf die sehr konstruierten und albernen Dialoge zurückzuführen ist.

Doch leider sind die Darsteller und Dialoge nicht die einzigen Probleme dieses Films. Nun denkt man sich, dass diese „Probleme“, wenn man dies überhaupt so nennen möchte, lediglich aus heutiger Sicht als solche betitelt werden können, und der Film zu seiner Entstehungszeit durchaus gut war. Doch weit gefehlt – denn hier spielt uns ebenfalls wieder die selektive Erinnerung einen Streich.

Invasion vom Mars Review Szenenbild002Gedreht wurde der hier vorliegende Streifen von Tobe Hooper. Der Regisseur, Produzent und Drehbuchautor hatte sich 1974 mit seinem bis heute als Meisterwerk geltenden Horrorslashers „Blutgericht in Texas“ („The Texas Chainsaw Massacre“) einen Namen in der Branche gemacht, und legte 1982 mit „Poltergeist“ einen familientauglichen Horrorfilm nach, bevor er drei Jahr später mit „Lifeforce – Die tödliche Bedrohung“ ins Science Fiction Genre wechselte.

Seine Kollegen John Carpenter und David Cronenberg hatten gerade beide sehr erfolgreiche Remakes bekannter Science-Fiction Klassiker in die Kinos gebracht: Cronenberg „Die Fliege“ und Carpenter „Das Ding aus einer anderen Welt“. Vermutlich war dies einer der Gründe, warum Hooper nun also seinerseits das Remake von „Invasion vom Mars“ inszenierte, wobei er leider ein wichtiges Detail übersah. Cronenbergs und Carpenters Neuinterpretationen der klassischen Science Fiction Filme griffen nämlich nur das Grundthema der neuverfilmten Klassiker auf und schlugen handlungstechnisch und erzählerisch jeweils einen völlig neuen Weg ein, während Hooper die ausgelutschte und alles andere als zeitgemäße Story einfach so wiedergab, wie sie schon damals erzählt wurde.

Der originale „Invasion vom Mars“ entstand 1953 unter der Regie von William Cameron Menzie. In jener Zeit, also den 1950ern, war die Angst vor russischen Invasoren besonders groß – die antikommunistische Paranoia und die Tyrannei der McCarthy-Ära schlug sich in Filmen nieder, in welchen Außerirdische Invasoren als Metapher für eine mutmaßlich reale Bedrohung fungierten. Filme wie „Gefahr aus dem Weltall“, „Feinde aus dem Nichts“ und natürlich „Die Dämonischen“ („Invasion of the Body Snatchers“) schufen angenehm beklemmende Kinoerlebnisse. Allerdings – dies waren die 1950er! Das hier vorliegende Remake stammt jedoch aus dem Jahr 1986, eine Zeit, in der die Paranoia weitestgehend getilgt war, und Science-Fiction Filme vor allem durch aufwendige Special Effects und bildgewaltige Weltraumschlachten definiert wurden. Hierzu soll gesagt werden, dass die Effekte von diesem Remake an einigen Stellen als „ihrer Zeit weit voraus“ betitelt wurden, allerdings stammen diese Lobeshymnen aus aktuellen Publikationen. Tatsache ist nämlich, dass John Dykstra und Stan Winston, beides Profis auf ihren jeweiligen Gebieten, für ihre Spezialeffekte in diesem Film ebenfalls für die Goldene Himbeere nominiert wurden.

Doch wollen wir das Ganze mal nicht so Schwarz sehen und betrachten stattdessen den Film als eigenständiges Werk, wobei wir ebenfalls außer Acht lassen, dass die Handlung bereits zur Entstehungszeit des Films nicht mehr ganz zeitgemäß war. Sehen wir den Film also einfach als Film, den wir uns heute ansehen und dabei in Erinnerungen schwelgen oder uns einer Phantasiewelt hingeben.

Erwähnenswert ist noch, dass der Film hier erstmals vollständig vorliegt. Bei der damaligen Auswertung für den deutschsprachigen Raum endete der Film recht abrupt mit einem Knall, wodurch ein irgendwie unfertiger und übereilter Eindruck entstand. Hier bekommt der Zuschauer erstmals das Originalende zu sehen, wobei dieses lediglich in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln vorliegt. Dennoch wirkt der Film dadurch wesentlich runder und im Endeffekt bietet das Ende auch noch eine nette Schlusspointe.

Invasion vom Mars Review Szenenbild003Bildqualität: Die Bildqualität ist den Umständen entsprechend ganz ordentlich, allerdings hat man bei ähnlichen Titeln – auch älteren Datums – schon besseres gesehen. Die Schärfe ist überwiegend gut und vermittelt ein schönes HD-Feeling, fällt aber in zahlreichen Szenen und Einstellungen extrem ab. Ähnlich verhält es sich im Umkehrschluss auch mit der Detailzeichnung, die einerseits ganz ausgezeichnet ist, andererseits in zahlreichen Szenen gerade noch akzeptabel. Unterm Strich kommt dabei eine durchschnittliche Bewertung heraus, die gerade noch über gutem Mittelmaß liegt – und das auch nur unter Berücksichtigung des Alters und der Produktionsbedingungen.

Die Farbwiedergabe ist ebenfalls sehr wechselhaft und wirkt zuweilen sehr unnatürlich, was jedoch durchaus so gewollt sein dürfte und dem Film ganz nebenbei sehr zuträglich ist. Der Kontrast ist gut eingestellt und gibt keinen allzu großen Anlass zur Kritik. Der Schwarzwert ist überwiegend sogar sehr gut, wobei er stellenweise kleinere Details verschluckt.

Wichtig wäre noch anzumerken, dass das ursprüngliche Filmkorn in einigen Szenen sehr stark in den Vordergrund tritt. Das ist zwar technisch gesehen kein Mangel, sollte aber dennoch erwähnt werden, da manche Zuschauer dieses natürliche Qualitätsmerkmal traditionell hergestellter Filme unter Umständen als störend empfinden.

Störender sind hingegen die zahlreichen Verschmutzungen und Beschädigungen, die zwar weitestgehend, aber eben nicht vollständig entfernt wurden. Immer wieder machen sich kleinere Schmutzpartikel und Kratzer bemerkbar, was mit zunehmender Bildschirmdiagonale eher ins Auge fällt.

Tonqualität: Der deutsche Ton liegt als DTS-HD Master vor, allerdings nur in 2.0. Das hat natürlich zur Folge, dass die Räumlichkeit weitestgehend auf der Strecke bleibt, da die Rearlautsprecher nicht angesteuert werden. Dennoch breitet sich der Ton über eine breite Bühne aus, wodurch zumindest ein kleinwenig Raumklang entsteht. Mit der Direktionalität und dem Subwoofer verhält es sich ebenso wie mit den Rearlautsprechern: Keine Ansteuerung, kein Laut. Nun ist das sicherlich auch dem Ausgangsmaterial geschuldet und ist besser zu verkraften, als eine aufgepumpte und schlecht eingestellte Surroundtonspur. Leider merkt man dem Ton das Alter des Films an. Der gesamte Ton klingt leicht blechern und hohl, dafür ist die Mixtur aus Geräuschen, Musik und Dialogen aber einigermaßen gut abgemischt und erlaubt sich keine größeren Patzer. Die Dynamik hätte allerdings etwas besser ausfallen dürfen, auch bei einer 2.0 Tonspur. Zumindest was die Dialoge angeht gibt es kaum etwas zu bemängeln, denn auch wenn diese – wie erwähnt – ein wenig hohl und blechern klingen, sind diese doch stets klar verständlich, auch wenn ein dezentes, dafür aber ständiges Hintergrundrauschen ebenso deutlich wahrnehmbar ist. Im Deutschen sind dafür zahlreiche bekannte Stimmen alter Tage zu hören. Norbert Langer spricht beispielsweise den Vater der Hauptfigur und vermittelt dadurch ein tolles, nostalgisches Gefühl.

Extras: Wer sich den obigen Titel in seine Sammlung stellen möchte, der hat die Wahl zwischen der Standard-Amaray-Hülle mit der diesem Review zu Grunde liegenden Blu-Ray-Disc, oder einem Mediabook mit zwei Bonus-DVDs, die exklusiv noch den Originalfilm in zwei unterschiedlichen Schnittfassungen enthalten soll.

Die reguläre Version beinhaltet ein „Making-of-Featurette“ von einer guten Viertelstunde Spielzeit sowie eine etwas mehr wie Achtminütige „Promo-Featurette“. Obschon das Making-Of sehr werbelastig ist offenbart es einige interessante Einblicke hinter die Kulissen des Remakes.

Invasion vom Mars Review Szenenbild004Des Weiteren werden noch der damalige deutschen Vorspann (2:30 min.) und das ursprüngliche „deutsche Ende“ (0:24 min.) präsentiert. Ersteres bietet lediglich einige Änderungen in den Titeleinblenungen und letzteres zeigt, wie abrupt man den Film für den deutschen Mark damals enden lies. Beide Extras liegen in einer Qualität zum Davonlaufen vor, aber letztendlich sind beide Features ohnehin eher für Nostalgiker gedacht. Abgerundet wird das Bonusmaterial von einer interaktiven Bildergalerie und dem Trailer zum Film, sowohl in deutscher als auch englischer Sprache.

Damit ist der Bonussektor ebenso übersichtlich wie das Menü, welches dezente Musik und eine dunkle Szene aus dem Film abbildet und die Auswahlmöglichkeiten einmal quer über den Bildschirm verteilt.

Was die Sonderverpackung (Mediabook) angeht, beziehungsweise wie diese verarbeitet ist und was dort noch eingearbeitet wurde, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden, da uns lediglich die Hauptdisc und die erste DVD zur Verfügung gestellt wurden.  Die erwähnte erste DVD ist fast mit der Blu-Ray identisch, nur fehlt hier das Making-Of, weshalb eine weitere Besprechung derselben müßig wäre. Leider können wir an dieser Stelle keine Aussage, zu der wahrscheinlich wesentlich interessanteren zweiten Bonus-Disc treffen, da uns diese nicht vorlag.

Fazit: Fans können jubeln, denn endlich wird einer der Meilensteine des Science-Fiction-Films in einer würdigen Auflage auf den Markt gebracht. Wahlweise sogar in einem Mediabook, welches als Dreingabe exklusiv den Originalfilm enthält – was will man mehr?

Das Bild ist überwiegend gut, vor allem angesichts des Alters. Satte Farben und eine überwiegend gute Schärfe wissen durchaus zu überzeugen, auch wenn sich kleinere Mängel nicht von der Hand weisen lassen. Wenn man möchte, kann man diese Mängel auch gerne aus Nostalgischen Gründen gutheißen und diese übersehen. Der Ton ist leider etwas muffig, bietet dafür aber die Tonspur, die man als Fan kennt und liebt, und verzichtet auf eine Neusynchronisation oder ein halbherziges Sound-Upmix.

Das Bonusmaterial ist leider etwas mager ausgefallen, bietet aber einige interessante Hintergrundinformationen.

Über den Film sollte der geneigte Käufer selbst urteilen. Aus heutiger Sicht ist der Film sicherlich eher etwas für Nostalgiker. Das Problem mit Filmen dieser Art ist eben immer, ob sie heute noch die gleichen Empfindungen beim Zuschauer wecken können, wie bei ihrer Uraufführung. Dies gelingt diesem Film nur bedingt. Wenn man ihn allerdings aus persönlichen Gründen oder als nette Jugenderinnerung ansehen möchte, dann sollte man nicht lange überlegen. Wer den Film jedoch nicht kennt, oder sich nur noch vage daran erinnern kann, der sollte vielleicht zuvor eine Leihsichtung vornehmen.

(Michael Speier)

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