LADY OSCAR – DIE ROSE VON VERSAILLES – Blu-ray Review | KSM Anime

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Lady Oscar Review Cover NeuFilm: Frankreich 1755. Eine Zeit des Umbruchs. In diese Welt wird die sechste Tochter des Generals Reynier de Jarjayes hineingeboren. Da dieser sich einen Jungen wünscht, der sein Erbe antreten kann, nennt er seine Tochter Oscar, zieht sie wie einen Jungen groß und unterrichtet sie im Fechten, Reiten und anderen „typischen Männeraktivitäten“ Die Rechnung geht auf. Oscar übernimmt bereits im jungen Alter die Leitung der königlichen Schlosswache und wird zum engen Vertrauten von Marie Antoinette. Im Laufe der Jahre jedoch erwachen in Oscar Gefühle, die sie an ihrer Identität zweifeln lassen. Am Vorabend der Revolution wird ihre Loyalität auf eine harte Probe gestellt.

Lady Oscar Review Szenenbild001Die Serie kombiniert geschickt Fiktives mit historischen Tatsachen, wodurch sie die angedachte Zielgruppe sprengte und recht bald zur absoluten Kultserie wurde, die jedes Geschlecht, jeden Bildungsstand und jede Altersgruppe ansprach. Themen wie Verrat, Treue, Ehre und Gewissen werden hier ebenso fokussiert wie hübsche Kleider und Romanzen. Auch Mord, Totschlag und – als unvermeidbares Finale – die französische Revolution und ihre Ursprünge werden in den Fokus gerückt, wodurch Themen angesprochen werden, die für das Genre eher untypisch waren. Im Mittelpunkt steht dabei Oscar Francois de Jarjayes, die sechste Tochter eines Generals. Ein Mädchen, welches von ihrem Vater als Junge großgezogen wird. Die sexuelle Identität sowie deren Problematik wird mit zunehmender Laufzeit immer mehr zum Brennpunkt. So ist Oscar nicht nur der absolute Frauenliebling am französischen Königshof, sondern verliebt sich zu allem Überfluss in Hans Axel von Fersen, den Geliebten der Königin, welcher ihre Liebe jedoch nicht erwidert. Dabei ist das ganze Hin und Her, das Anschmachten und alles damit Verbundene nicht halb so verklärt und schmalzig, wie man es von einem Anime der Gattung Shojio („für Mädchen“) erwarten würde.

Die Handlung der Serie erstreckt sich dabei über 34 Jahre, wodurch einige Zeitsprünge unvermeidbar sind. Zwar ist die Handlung alles in allem leicht zu verfolgen, doch wird ein gewisses Ausmaß an Konzentration seitens des Zuschauers vorausgesetzt. Dafür wird der Zuschauer nicht nur mit tragischer Romantik, sondern auch mit einer durch und durch spannenden und abwechslungsreichen Storyline belohnt und bekommt ganz nebenbei zahlreiche gekonnt in Szene gesetzten Actionsequenzen geboten.

Die Handlung basiert auf den enorm erfolgreichen Manga „Berusiyu no Bara“, zu Deutsch „Die Rosen von Versailles“. 1972 wurde der Shojio in der japanischen Mädchenzeitschrift Maragret in 10 Teilen erstveröffentlicht.

Lady Oscar Review Szenenbild0021974 wurde erstmals eine Theater-, beziehungsweise Musicalaufführung inszeniert, die bis heute aufgeführt wird. Hierbei werden sämtliche Rollen traditionell von Frauen dargestellt. Im Jahr 1978 wurde eine eher mäßige Realverfilmung produziert, worauf dann 1979 die hier vorliegende 40-teilige Animeserie von Regisseur Tadao Nagahama folgte. Das Charakterdesign stammte von Akio Sugino, Michi Himeno und Shingo Araki und ist sehr nah an dem Manga von Riyoko Ikeda angesiedelt.

Obwohl die Serie sehr erfolgreich auf Nippon TV lief und auch erfolgreich nach Frankreich (freilich!), Spanien, Lateinamerika, Italien und sogar in den arabischen Raum verkauft worden war, dauerte es ganze 15 Jahre, bis man auch in Deutschland in den Genuss dieser grandiosen Serie kam. RTL 2, der damals das umfangreichste Anime-Angebot aller frei empfangbaren deutschen Sender bereitstellte (darunter Eine fröhliche Familie“, Die kleinen Superstars“ und „Mila Superstar“) strahlte die Serie ab März 1995 aus. Im Jahr 2003 brachte der Privatsender Tele 5 eine Wiederholung, die jedoch aufgrund von Lizenzstreitigkeiten bereits nach 10 Episoden wieder aus dem Programm genommen wurde. Drei Jahre später erwarb die Firma KSM die Rechte an dem Anime, brachte im September die entsprechenden DVD-Boxen in den Handel, und legt nun auch die vorliegende Blu-ray-Veröffentlichung nach.

Der deutsche Titel- und Schlusssong stammt aus der Feder des bekannten Librettisten Michael Kunze. Kunze arbeitete als Produzent und Songtexter unter anderem für Juliane Werding, Peter Maffay, Jürgen Drews und Udo Jürgens. Neben seinen Übersetzungen der Werke von Andrew Lloyd Webber, Stephen Sondheim und zahlreichen anderen Musicals war er nicht nur für die deutschen Liedtexte einiger der besten Disney-Filme verantwortlich (darunter König der Löwen“ und Der Glöckner von Notre Dame“), sondern auch brachte auch zahlreiche Eigenproduktionen erfolgreich auf die Bühnen dieser Welt. Darunter auch das gefeierte Werk Marie Antoinette“, welches im November 2006 in Tokio Premiere hatte und in vielen Belangen mit Die Rosen von Versailles Parallelen aufweist – was natürlich auch auf die Grundhandlung zurückzuführen ist.

Lady Oscar Review Szenenbild003Die heroische und doch so tragische Hauptfigur des Mädchens Oscar, die gezwungenermaßen das Leben eines Mannes führt, ist zwar eine fiktive Person, doch die Personen in ihrer Umgebung – Marie Antoinette, ihr Geliebter Hans Axel von Fersen, die Adelshäuser und auch die Revolutionäre wie Robespierre, sind ebenso real wie große Teile der Handlung.  Genau das ist es auch, was diese Serie selbst heute noch zu einem echten Erlebnis macht.

Bildqualität: Qualitativ präsentiert sich die kultige und kulturell wertvolle Ausnahmeserie sicherlich nicht in dem Gewand, welches man sich von einer Blu-Ray-Auswertung erhofft hätte. In beinahe allen Belangen gibt es noch extrem viel Luft nach oben, wobei die Qualität, der seit 2006 erhältlichen DVD dennoch getoppt wird. Zunächst fällt einem die gesteigerte Schärfe auf, die einige feine Details bereithält, die auf der DVD noch eher unauffällig im Einheits-Farbenbrei untergegangen waren. Die Kanten sind leider dennoch ein wenig verwaschen und das gesamte Bild zieht, vor allem bei schnellen Bewegungen und Schwenks, ein wenig nach.

Der zweite Bonuspunkt gegenüber der DVD sind die strahlenden, satten Farben, die wesentlich brillanter und vor allem ruhiger wiedergegeben werden. Auch der Kontrast ist relativ gut ausgewogen, was nicht zuletzt der Plastizität zu Gute kommt.

Der Schwarzwert hingegen ist recht wankelmütig – mal ist er von enormer Tiefe und lässt es dennoch nicht an Durchzeichnung mangeln, mal tendiert er eher ins Gräuliche hinein.

Trotz relativ guter Restauration machen sich hin und wieder kleinere Störfaktoren wie Kratzer oder Schmutzpartikel bemerkbar. Auch Kompressionsartefakte sind deutlich wahrzunehmen, was darauf zurückzuführen ist, dass hier die enorme Spielzeit von 940 Minuten auf gerade einmal einer Disc gequetscht wurde, womit diese sehr an ihre Grenzen kommt.

Lady Oscar Review Szenenbild004Tonqualität: Wie beim Bild fährt auch der Ton ein echtes Sparprogramm. Der Ton liegt in Stereo vor – der gesamte Klangteppich kommt demnach undifferenziert von vorne. Nun, dass muss nicht zwangsläufig schlecht sein, vor allem, wenn man die teilweise schlechten und halbherzigen Surround-Upmixes älterer Produktionen als Gegenbeispiel ins Feld führt.

Der Ton kommt also nur von vorne, breitet sich aber auf einer relativ breiten Bühne aus. Von Räumlichkeit kann hierbei allerdings nur bedingt die Rede sein, und Direktionalität wird erwartungsgemäß keine geboten, was vor allem in den späteren Folgen – in denen es auf dem Bildschirm zur Sache geht – ein wenig tragisch ist. Gerne verweisen wir aber zum Trost erneut auf die schlechten Surround-Mixes. Der Subwoofer wird ebenfalls nur selten und dann auch nur recht dezent gefordert.

Dennoch ist die vorhandene Tonspur in ihren engen Grenzen recht ausgewogen, obwohl mancher Soundeffekt (gerade in den eben erwähnten späteren Folgen) gerne mal die Dialogverständlichkeit erschwert. Die Dialoge selbst klingen allesamt ein wenig blechern und reichlich angestaubt, liegen dafür aber erfreulicherweise in der altbekannten Originalsynchronisation vor, wie man sie von der damaligen Ausstrahlung gewohnt ist.

Das auf der Blu-Ray lediglich die deutsche Synchronisation enthalten ist, ist nicht weniger als eine Ohrfeige für alle Anime-Fans. Da die Serie allerdings bereits sehr früh im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, dürften die wenigsten der Alt-Fans überhaupt mit der Originalsynchronisation vertraut sein. Nichtsdestotrotz ist dieser Schritt ein No-Go.

Zugute halten muss man allerdings, dass die deutsche Version für damalige Verhältnisse mehr als gelungen ist, einen hohen Nostalgiewert besitzt und ganz nebenbei zahlreiche namhafte Sprecher ins Feld führt. Neben Diana Borgwardt in der Titelrolle sind noch Oliver Rohrbeck (Justus Jonas von den Drei Fragezeichen und Standardsynchronsprecher von Ben Stiller), David Nathan (Stimme von Johnny Depp und Christian Bale) und Helmut Krauss zu hören.

Extras: Extras gibt es leider keine.

Fazit: Darauf haben die Fans lange gewartet: Eine der besten und wegweisendsten Anime-Serien erblickt endlich das blaue Licht der Welt. Dabei ist die Blu-Ray-Auswertung leider nicht ganz so gut geworden, wie es der Serie und ihrer Bedeutung angemessen wäre. Das Bild schwächelt an zahlreichen Punkten, ist der DVD zwar in puncto Schärfe und Farbbrillanz überlegen, lässt dabei aber extrem viel Spielraum nach oben. Auch der Ton klingt in seiner Stereoabmischung recht unspektakulär und kling auch noch recht blechern und angestaubt. Glücklicherweise wird allerdings die allseits bekannte Originalsynchronisation geboten, während leider auf die japanische Originalsynchro verzichtet wurde. Auch Extras sucht man auf dieser Disc leider vergeblich.

Die 40-teilige Serie aus den renommierten Tokyo Movie Shinsha Studio ist eine Meisterleistung ihres Genres. Geschickt werden hier typische Mädchenthemen mit historischen Tatsachen verknüpft. Herausgekommen ist dabei eine Serie, welche wirklich alle Menschen ansprechen sollte, die auch nur im Entferntesten etwas für das Thema oder für Animes im Allgemeinen übrighaben. Vor allem Fans von damals werden wohl ohne große Überlegung zugreifen, und sich damit ein Stück Kindheit oder Jugend zurück ins Heimkino holen. Doch auch allen, die diese geniale Serie noch nicht kennen wird sie an dieser Stelle absolut ans Herz gelegt, auch wenn die technische Umsetzung nicht ganz das Gelbe vom Ei ist.

(Michael Speier)

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