Star Trek: Picard Staffel 2 – Streaming-Review | Amazon Prime Video

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Seit kurzem kann man die Serie „Star Trek: Picard Staffel 2“ auf Amazon Prime ansehen und wir haben das Review dazu:

Geradezu überschwänglich war die Freude vieler Star Trek-Fans, als Patrick Stewart bei der Star Trek Convention in Las Vegas 2018 in einer bewegenden Rede mit den Worten „Jean-Luc Picard is back“ seine Rückkehr zum Star Trek-Franchise ankündigte. Es bedeutete die Rückkehr eines der beliebtesten Star Trek-Charaktere, Captain Jean-Luc Picard, den Stewart vor allem in der Serie „Star Trek: The Next Generation“ von 1987 bis 1994 sowie in den Kinofilmen Star Trek VII bis Star Trek X im Zeitraum von 1994 bis 2002 dargestellt hatte.

Weniger euphorisch als die Reaktion auf die angekündigte Rückkehr fiel dann schon die Rezeption des Endproduktes, der ersten Staffel der neuen Serie „Star Trek: Picard“, aus, welche 2020 ihre Veröffentlichung erfuhr. Ähnlich wie die seit 2017 laufende und seitdem die Fangemeinde spaltende Serie „Star Trek: Discovery“ empfanden viele Zuschauer „Star Trek: Picard“ als zu düster, zu pessimistisch und schwermütig und damit als dem charakteristischen Optimismus der früheren Star Trek-Produktionen entgegenstehend. Das aber versperrte einer zweiten Staffel nicht den Weg, welche nun in voller Länge auf Amazon Prime Video zu sehen ist.

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©2022 ViacomCBS. All Rights Reserved.

Story:

Eigentlich läuft es für Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) alles andere als schlecht. Er ist mittlerweile Admiral der Sternenflotte in Pension, genießt das ruhige Leben auf seinem Weingut in Frankreich und seine Haushälterin, die Romulanerin Laris (Orla Brady) macht ihm gar romantische Avancen. Wie es zu erwarten ist, kann es jedoch nicht lange entspannt bleiben, und so erhält die Föderation ein mysteriöses Beitrittsgesuch ihrer alten Feinde, den Borg. Picard tut sich mit seinem alten Team zusammen, bestehend aus unter anderem Captain Cristóbal Rios (Santiago Cabrera), Dr. Agnes Jurati und Seven of Nine (Jeri Ryan), um der Sache auf den Grund zu gehen. Wenig später findet sich die Gruppe auf dem von Rios kommandierten Raumschiff Stargazer mit einer angriffslustigen Armada der Borg konfrontiert, und als Picard als Notlösung eine Selbstzerstörung der Stargazer einleitet, wacht man in einer alternativen Zeitlinie wieder auf. In dieser schwangen sich die Menschen einst zu Nazi-ähnlichen Beherrschern der Galaxis auf und löschten unter dem Kommando Picards so gut wie alle außerirdischen Spezies aus. Ein alter Bekannter Picards, nämlich niemand anderes als Q (John de Lancie), scheint hierbei seine Finger im Spiel zu haben. Die Suche nach einer Möglichkeit, die Zeitlinie wieder zu korrigieren, führt Picard und seine Crew schließlich ins Los Angeles des Jahres 2024…

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Eindruck:

Die obenstehende Story-Beschreibung ist im Grunde eine knappe (und natürlich auf detaillierte Spoiler verzichtende) Zusammenfassung der ersten drei Folgen der zweiten Staffel von „Star Trek: Picard“. Diese bieten eine ausführliche Exposition und stellen potenziell interessante Fragen, an deren Beantwortung sich die übrige Staffel orientieren könnte: Wie kam es zur Entstehung der alternativen Zeitlinie mit menschlichen Weltraumnazis? Welche Absichten verfolgt Q genau, und wie ist er darin verstrickt, dass Picard und sein Team in diese Zeitlinie gerieten? Und was ist in Los Angeles im Jahr 2024 passiert, dass es zu diesem Zustand kam? Diese Setups stellen eine potenziell spannende Staffel mit potenziell interessanten Enthüllungen in Aussicht.

„Potenziell“ bleibt dann jedoch sehr vieles, denn bedauerlicherweise stellen diese ersten drei Folgen bereits den besten Bestandteil der zweiten Staffel dar. Was darauf folgt, ist eine schier endlos aufgeblasene, nicht auf den Punkt kommende Odyssee durch ein Setting, welches immerhin nicht ganz Star Trek-untypisch ist. Episoden, in denen in vergangene Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte oder zu Planeten auf ähnlicher Entwicklungsstufe gereist wurde, gab es in der langen Geschichte des Star Trek-Franchise immer wieder. Und obwohl längst nicht alle davon schlecht sind, muss man doch sagen, dass es sich hierbei zumeist um die tendenziell kostengünstigsten Folgen der älteren Serien handelte. Dieser Punkt, so hat es den Anschein, spielte auch bei der zweiten Staffel von Star Trek: Picard eine Rolle, denn sonderlich aufwändig und hochwertig wirkt hier kaum etwas. Die weitreichende Absenz von Weltraumszenen ist natürlich ein bequemer Weg, um Produktionskosten einzusparen, der Star Trek-Fan dankt es indes nicht. Wenn es mit einer Serie endlich Star Trek-Inhalt gibt, der nach dem zehnten Kinofilm „Star Trek: Nemesis“ aus dem Jahr 2002 angesiedelt ist, worauf viele Fans lange gewartet haben und mit dem man die Gesamtgeschichte nennenswert weitererzählen könnte, ist es wenig förderlich, eine Staffel dieser Serie zu etwa drei Vierteln im Los Angeles des 21. Jahrhunderts anzusiedeln.

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Trotz des schalen Beigeschmack der Kosteneinsparung hätte dies allein noch kein K.O.-Kriterium für die zweite Staffel sein müssen – vergessen wir nicht, dass der Film „Star Trek IV: The Voyage Home“ von 1986 mittels Zeitreise ebenfalls zum größten Teil auf der Erde (in diesem Fall San Francisco) im Erscheinungsjahr 1986 spielt und es sich dabei um einen der beliebtesten Star Trek-Filme überhaupt handelt. Was „Star Trek IV“ jedoch an Herz, Witz und letzten Endes auch starker Botschaft ausmacht, das fehlt der zweiten Staffel von §Star Trek: Picard“ größtenteils. Das schwerwiegendste und ärgerlichste Problem der Staffel ist das liegengelassene Potenzial im Umgang mit den eingangs erwähnten offenen Fragen. Ohne zu spoilern muss gesagt werden dürfen, dass vieles von dem, was zu Beginn aufgeworfen wird und das Interesse des Zuschauers zunächst auf sich zieht, entweder gar nicht oder sehr unzufriedenstellend beantwortet wird. Das betrifft insbesondere das Kernereignis des Jahres 2024. Worum es dabei genau geht, soll jeder Zuschauer selbst entdecken können. Nur so viel sei gesagt: Sobald man an den Punkt gelangt, wo man die Erkenntnis gewinnt: „Wenn im Jahr 2024 also das passiert (oder nicht passiert), dann ist die Folge davon, dass die Menschheit sich zu einer die Galaxis erobernden und versklavenden Bande von Weltraumnazis entwickelt“, dann kann man sich nur fragen, ob die Schreiber das wirklich ernst meinen.

Hinzu tritt unter anderem ein zunächst betont mysteriös gehaltener Subplot Jean-Luc Picards Vergangenheit und Kindheit betreffend, konkret geht es um seine familiäre Situation und seine Mutter. Das tritt dann lange Zeit völlig in den Hintergrund, wird im Laufe der Staffel jedoch immer wieder aufgegriffen – nur trägt es keine wirkliche Relevanz. Es ist nicht erkennbar, inwieweit diese Einblicke in die Kindheit Picards irgendetwas zur Haupthandlung beitragen würden. Allenfalls geht es darum, dem Charakter Picard mehr Hintergrund und Tiefe zu verleihen – zwei oder drei nach Zufallsprinzip ausgewählte Folgen aus „Star Trek: The Next Generation“ dürften in dieser Hinsicht deutlich bessere Arbeit leisten.

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Fazit:

Rückblickend betrachtet lebte die erste Staffel von „Star Trek: Picard“ vor allem von dem Hype angesichts des Umstandes, Patrick Stewart wieder als Jean-Luc Picard zu sehen. Abseits davon stellt die erste Staffel eine ganz passable Science-Fiction-Geschichte dar, allerdings nicht viel mehr als das. Besser als die zweite Staffel ist sie aber in jedem Fall. Daran können auch abermals illustre Auftritte ehemaliger „The Next Generation“-Charaktere und -Darsteller wie eben John de Lancie als Q, Whoopi Goldberg als Guinan oder abermals Brent Spiner nicht viel ändern. Allein, einen Hoffnungsschimmer gibt es, wo wir es gerade mit Originalcharakteren haben: Noch während der im Wochentakt erfolgten Veröffentlichung der zweiten Staffel von „Star Trek: Picard“ wurde ein kurzer Teaser zur dritten Staffel veröffentlicht, welche demnach nichts weniger als den gesamten Hauptcast aus „The Next Generation“ wieder auf den Bildschirm bringen wird. Sollte es sich dabei um die finale Staffel handeln, können wir nur hoffen, dass man „Star Trek: Picard“, dem wiedervereinten Originalcast und damit letztlich auch dem Erbe von „The Next Generation“ ein würdiges Ende spendiert.

Hier erhältlich:

(Pascal Weber)
© Bilder und Trailer: Capelight Pictures – Alle Rechte vorbehalten!

  • Story 4
  • Umsetzung 4
  • Unterhaltung 4
Summary

Rückblickend betrachtet lebte die erste Staffel von „Star Trek: Picard“ vor allem von dem Hype angesichts des Umstandes, Patrick Stewart wieder als Jean-Luc Picard zu sehen.

4.0 Verschenkt